Selbstversorgung mit Obst und Gemüse im Klimawandel

Selbstversorger Garten und Krisenvorsorge mit eigenem Obst und Gemüse

Selbstversorgung gegen Inflation? Die Preise im Supermarkt steigen. Strom wird teurer, Benzin wird teurer, Gas wird teurer und Lebensmittel werden stückweise rationiert. Dann droht sogar noch ein Blackout, eine unvorhergesehene Krise und in der Zukunft der Klimawandel mit ausgewachsener Klimakrise, Dürren und Wasserknappheit. Daher gewinnen Nachhaltigkeitsthemen und eine Strategie für den sparsamen Umgang mit Wasser und Ressourcen immer mehr an Bedeutung. Hier erfährst du wie du deinen Garten klimafit machen kannst.

Flüsse und Seen trockneten bereits im Winter 2022/2023 aus und das Grundwasser dürfte bei Regenmangel in den heißen Sommermonaten ebenfalls knapp werden. Es gilt daher im heimischen Garten aktiv gegenzusteuern. Installiere IBC, Regentonnen oder Regenwassertanks an den Regenrinnen um kostbares Regenwasser aufzufangen. Auch wenn man gegen das Klimachaos machtlos zu sein scheint, in den eigenen vier Wänden lässt sich im Kleinen und im alltäglichen Leben durchaus etwas bewirken. Was ist daher naheliegender als dein eigener Selbstversorger Garten? Der erste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und das Einsparen von CO2 durch weite und teils unnötige Transportwege. Zu Fuss in den Garten als mit dem Auto zum nächsten Supermarkt. Nahrung wächst schließlich im eigenen Gartenboden und auf Obstbäumen und das saisonal und regional, wortwörtlich vor der eigenen Haustüre. Dort und mit unserem bewussten Konsumverhalten beginnt die Veränderung.

slow, small solutions

Das gab es doch schon mal, den Victory Garden. Die Prepper Szene wird populärer und Selbstversorgung mit eigenem Obst und Gemüse tritt wieder vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit, gerade wenn es sich um aktuelle Krisen handelt. Damit dich die Nahrungsmittelkrise nicht unmittelbar trifft, habe ich ein paar Tipps zum Geldsparen.

Wer die Möglichkeit hat eigenes Obst und Gemüse im Garten anzubauen ist klar im Vorteil und hat schon mal den ersten Baustein zur perfekten Krisenvorsorge gelegt. Egal ob im eigenen Garten anbauen, im Hochbeet Square Foot Gardening betreiben, einer gepachteten Selbstversorgerparzelle nach Prinzipen des Market Garden anbauen oder auf öffentlichem Grund beim Urban Gardening. Entscheidend ist am Ende nur, dass es reichlich frisches Gemüse und Obst zu ernten gibt. Und ja „reichlich“ ist hier das Zauberwort. Wer keinen eigenen Garten zum Beernten hat, kann z.b. bei Mundraub vorbeischauen und sehen ob es in der Umgebung kostenloses, für jeden, frei verfügbares Obst gibt. Auf zum Pflücken! Mal ne etwas andere und sinnvolle Freizeitbeschäftigung als Extremcouching.

Selbstversorger Garten – Autarkie machbar?

Wie man auf vielen Selbstversorger-Garten-Blogs nachlesen kann, ist 100%-ige Selbstversorgung, sprich Autarkie, (fast) nicht möglich. Es sei dann der Garten oder das Bauernhof-Grundstück ist groß genug für die Krisenvorsorge und man hat die Möglichkeit auch Nutztiere zu halten und sehr viel Freizeit zur Bewältigung der vielen anfallenden Aufgaben. Denn es geht hier vorallem auch darum einen Kreislauf zu erzeugen um mit entsprechendem Dünger dem Boden auch regelmäßig Nährstoffe zurückzugeben um ihn auf lange Sicht fruchtbar zu halten.

Bei der eigentlichen Selbstversorgung geht es um Kalorien und Nahrung mit Nährwert. Denn der Anbau im Selbstversorger Garten von Salaten und Sommergemüsen wird den Bedarf an Eiweiß, Fetten und Kohlenhydraten vermutlich alleine nicht abdecken können, ist aber immerhin ein erster Anfang. Da braucht es sehr viel mehr und eine gute Planung, wenn man einen hohen Selbstversorgungsgrad anstrebt. In der Regel reicht ein Selbstversorgungsgrad zwischen 30-80% schon durchaus um eine gewisse Resilenz aufzubauen. Denn man ist zumindest kurz- oder mittelfristig mit Nahrung versorgt und steht nicht mit leeren Händen da. Wer in erster Linie sein Haushaltsbudget schonen möchte, kann zu Samentütchen greifen. Mit grünen Salaten, Gurken und Tomaten kann man sich zumindest den Sommer über sehr gut selbst versorgen und einen Teil des Geldes für den Wocheneinkauf sparen. Selbst ein kleiner Balkongarten mit Pflanztrögen kann da schon helfen.

Wir betrachten die selbst angebaute Nahrung hinsichtlich des Nährwertes und der Kalorien. Der Tagesbedarf eines 75kg schweren Erwachsenen setzt sich wie folgt zusammen: ~ 2000kcal/Tag, davon 1/3 ~ 700kcal aus Fetten, 66g reines Fett pro Tag und 75g Protein pro Tag. Damit sind die Nenngrößen der wichtigsten Ernahrungsbausteine beziffert.

Eiweiß aus dem Selbstversorgergarten

Eiweiß teilt sich in tierisches und pflanzliches Protein. Sofern die Selbstversorgung nicht durch Tierzucht und Tierhaltung, wie Hühner oder Wachteln, ergänzt wird, bleibt der Fokus auf pflanzlicher, eiweißreicher Nahrung. Ich gehe hier nicht auf die biologische Wertigkeit unterschiedlicher Eiweißquellen ein, verweise aber auf eine Mischkost, die zur besseren Verwertung unbedingt angeraten wird – Bohnen/Mais, Getreide/Kartoffeln usw.

  • tierisches Eiweiß: Fleisch, Milch, Eier, Fisch (Aquakultur, Hydroponic) ggf. Schnecken, Insekten.
  • und pflanzliches Eiweiß: Hülsenfrüchte (Puffbohnen, Saubohnen, Käferbohnen, Erbsen, Linsen, Feuerbohnen, Kichererbsen, Soja), Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln), Samen (Hanfsamen, Mohn, Kürbiskerne).

Wir beschränken uns hier auf Hülsenfrüchte, die im Anbau recht einfach sind. 100g Nüsse und Kürbiskerne enthalten rund 30g Protein und damit gleich zwei wichtige Bausteile, die wir zum Leben brauchen, Fett und Eiweiß. Mehr zu diesem Punkt etwas später, wenn es konkret um die Fette geht.

Ein Erwachsener benötigt rund 1g Eiweiß pro kg Körpergewicht. Im Schnitt sind es 75g.

Rechenbeispiele: Eiweiß aus Leguminosen. Ackerbohnen/Puffbohnen enthalten 8-11g Eiweiß pro 100g, rund 80kcal und 18g Kohlenhydrate. Der Ertrag liegt bei 200g frische Bohnenkerne pro Pflanze oder rund 1kg/m². Für den Tagesbedarf ist damit fast 1kg Bohnenkerne bzw. 1m² Beetfläche nötig oder 5 Saubohnen-Pflanzen. Für den Jahresbedarf sind dies 1825 Pflanzen bzw. 365m², etwa 20x20m. Entspricht 80-110g Eiweiß pro m² und Saison.

Buschbohnen, grün, frisch: 25kcal/100g, 2g Eiweiß, 3g Kohlenhydrate. Ertrag 3kg/m² aber 2x pro Saison. Buschbohnen liefern 6kg Ertrag pro m², das entspricht 12g Eiweiß/m² und Saison.

Getrocknete weiße Bohnen: 290kcal/100g, 20g Eiweiß, 40g Kohlenhydrate. Ertrag 2kg/m². Stangenbohnen, die an der Pflanze ausreifen müssen und erst im Herbst geerntet werden können, liefern 400g Eiweiß/m² und Saison.

Erbsen: 80kcal/100g, 5g Eiweiß, 14g Kohlenhydrate. Ertrag 1,5kg/m². Erbsen kommen damit auf 7,5g Eiweiß/m² und Saison. Ähnlich Buschbohnen kann nach Erbsen noch eine andere Kultur folgen. Der Eiweiß-Ertrag wird den von Ackerbohnen oder Stangenbohnen aber bei weitem nicht erreichen.

Man sieht hier, dass Puffbohnen den ersten Ertrag von Juni, Juli, August und September liefern können, während getrocknete Stangenbohnen von Oktober bis Mai gegessen werden können. Der Bedarf an Ackerbohnen ist demnach wie folgt: 4 Monate, 122 Tage ~ 122m² ~ Fläche von 11x11m bzw. 610 Puffbohnenpflanzen. Getrocknete Bohnen werden für die restlichen 8 Monate benötigt, wir brauchen demnach 46m² Anbaufläche bzw. rund 50m an Rankhilfen oder Maschendrahtzaun an der Grundstücksgrenze.

Fett aus dem Selbstversorgergarten

Fett ist neben tierischen Produkten vorallem in Nüssen als ungesättigte Fettsäuren enthalten. Nüsse von Sträuchern (Hasel, Mandel) und Kürbiskerne von Ölkürbissen lassen sich auch in kleineren Gärten problemlos ernten. Selbst Mohnpflanzen, Sonnenblumen oder Lein können als Zierpflanzen noch einen zusätzlichen Nutzen zur Samengewinnung haben.

Rechenbeispiele: Fett sollte 30% der Kalorienmenge des Tagesbedarfs darstellen, bei 2000kcal/Tag sind dies ca. 600kcal., die aus Fett stammen. Reines Fett hat etwa 9kcal/g, was einem Tagesbedarf von 66g reinem Fett entspricht.

Geschälte Walnüsse und Haselnüsse enthalten etwa 60% Fett und 100g Nüsse ca 700kcal. Der empfohlene Tagesbedarf liegt bei 5-7 Walnüssen bzw. 30g Nüsse pro Tag. Bei ausschließlicher Nutzung von Nüssen für die Deckung des täglichen Fettbedarfs wären dann rund (100g Nüsse *365Tage) 37kg geschälte Walnüsse nötig. 1kg ganze Walnüsse enthält rund 400g Walnusskerne, der Rest ist Schale. Eine ganze Walnuss besteht zu rund 40% aus dem Walnusskern. Es werden also rund 90kg ganze Walnüsse pro Jahr und Person benötigt. Wobei ein ausgewachsener Walnussbaum, der naturgemäß starke Alternanz aufweisen kann, zwischen 30kg und 160kg Nüsse liefern kann. Es wären dann auf jeden Fall mehrere Bäume nötig. Bei Haselnusssträuchern sind es 2kg-5kg pro Strauch (5-7 Jahre alt) bei einem ähnlichen Verhältnis von Nuss zu Schale von 30-40%, ergibt das rund 10 bis 20 ausgewachsene, ertragreiche Haselsträucher. Bei Mandelbäumen liegt der Vollertrag ab dem 4. oder 5. Jahr vor und da können es schon mal 20-30kg pro Baum sein. Bei Nüssen macht es einfach der Mix an unterschiedlichen Fettquellen.

100 Gramm Kürbiskerne enthalten etwa 550 kcal, ca 30 Gramm Protein und ungefähr 50 Gramm Fett. In einem einzigen Ölkürbis sind etwa 60-70g getrocknete Kürbiskerne enthalten. Berechnet man den Jahresbedarf mit Ölkürbissen so sind ebenfalls (100g Kürbiskerne *365 Tage) 37kg getrocknete Kürbiskerne nötig. Das entspricht etwa 520 bis 620 Ölkürbissen. Es wird damit unrealistisch sich ganzjährig mit Kürbiskernen als Fettquelle versorgen zu können zumal auch riesige Anbauflächen nötig wären. Allerdings ist man in der Lage sich mit 3 Ölkürbissen zumindest 2 Tage im Herbst/Winter vollständig mit Fett zu versorgen und damit auch rund 50% des Tagesbedarfs an Eiweiß zu decken. Verarbeitet man den ganzen Kürbis zu einer Kürbiscremesuppe oder verwandelt das Fruchtfleisch in andere Kürbisspezialitäten, kann man sich sehr gut für ein paar Tage versorgen. Noch besser natürlich, wenn die besagten Kürbisse auf dem Komposthaufen gewachsen sind und keine wertvolle Beetfläche in Anspruch genommen haben.

Kohlenhydratquellen aus dem Garten

Als Kohlenhydrate kommen alle Arten von Getreide aber auch Obst (Fruchtsäfte, z.b. Apfel- oder Traubensaft) und Honig in Frage. Natürlich reicht ein Hausgarten nicht aus um Getreide wie Weizen (800g/m²), Gerste, Amaranth (200g/m²), Reis, Hirse oder Hafer in nennenswerter Weise anzubauen und zu verarbeiten, aber Mais und Bohnen wachsen schon auf kleinstem Raum und das recht zuverlässig. Klassischer Kohlenhydrate-Lieferant ist die Kartoffel, die selbst schon von unerfahrenen Hobbygärtnern angepflanzt werden kann und zwar aus überlagerten Supermarkt Kartoffeln, die man ohnehin nicht mehr essen sollte, wenn die Keimlinge über 1cm lang sind.

Die Kartoffel enthält pro 100g: 70kcal, 2g Eiweiß und 14g Kohlenhydrate. 2kg Ertrag pro m². Damit liefert 1m² Ackerfläche 1400kcal, 40g Eiweiß, 280g Kohlenhydrate.

Popcorn Mais getrocknet: 360kcal, 60g Kohlenhydrate, 12g Eiweiß, 5g Fett. 10 Pflanzen/m², Ertrag ca 250g/m² ~ 900kcal, 150g Kohlenhydrate, 30g Eiweiß, 12,5g Fett.

Fazit: Der Anbau von Mais lohnt sich rein rechnerisch, denn daraus werden nicht nur Maismehl zum Kochen sondern auch noch Maiskeimöl industriell gewonnen. Für eine vollständige Versorgung mit Fett wären allerdings 2000m² nötig, für eine vollständige Versorgung mit Eiweiß 900m². Das Ziel wäre auf einer Fläche von 45x45m erreichbar.

Im Hausgarten reichen einige wenige Meter an Mais völlig aus. Im Anbau-Mix können Maispflanzen in der Milpa (Mischkultur) mit Kürbis und Bohnen wachsen, Wind abhalten oder entlang einer Mauer oder einem Zaun gezogen werden. Der Vorteil vom Popcorn Mais ist, dass er getrocknet lange haltbar ist und frisch gepoppt sogar noch ernährungsphysiologisch interessanter ist als frischer Mais. Der Nachteil liegt in der Verarbeitung, da Mais erst noch von den Kolben gerebelt werden muss. Maismehl kann hingegen universell in der Küche eingesetzt werden.

Die Kartoffel liefert aber in direktem Vergleich fast den 10-fachen Ertrag und ist sehr viel einfacher im Anbau mit nahezu sicherem Ertrag.

Obst:

Obst generell (Pfirsich): 40kcal, 10g Kohlenhydrate, 0,7g Eiweiß; 1kg Obst 400kcal, 100g Kohlenhydrate, 7g Eiweiß. Ein kleiner Obstbaum, der pro Jahr etwa 10kg Früchte liefert, steuert 4000kcal, 1kg Kohlenhydrate und 70g Eiweiß zur Selbstversorger-Diät hinzu. Damit liefert ein Obstbaum etwa die Menge an Eiweiß, die ein Mensch pro Tag benötigen würde. 1kg Obst sind damit immerhin 10% des Tagesbedarfs an Eiweiß.

Wird Obst nicht frisch gegessen besteht die Möglichkeit Obstsaft zu pressen oder Konfitüre einzukochen

Apfelsaft pro 100g: 46kcal, 11g Kohlenhydrate. Traubensaft; 60kcal, 15g Kohlenhydrate. Will man täglich 100ml Obstsaft, am Beispiel von Traubensaft, trinken, sind 37L Traubensaft nötig. Trauben lassen sich einfacher verarbeiten als Äpfel und deswegen wählen wir dieses Beispiel. 1kg Trauben liefert im schlechtesten Fall 50% Saft, im Normalfall zwischen 60-70%. Es sind demnach 70kg Trauben nötig. Ein Rebenspalier liefert gut und gerne 4kg Trauben pro Laufmeter. Hat die Rebe genug Platz sich auf einer Häuserwand einer Gartenhütte oder Pergola auszubreiten können leicht sehr viel größere Mengen geerntet werden. Mit 20m Weinreben kann gut und gerne diese Menge an Keltertrauben anfallen.

Selbstgemachte Konfitüre: 250kcal/100g; 70g Kohlenhydrate. Es werden hier aber zusätzlich gekaufter raffinierter Zucker oder Gelierzucker zugesetzt!

Honig:

Wer auf seinem Gartengrund selber Bienen zur Bestäugung der Obstbäume und Blumen halten kann, wird am Ende des Jahres mit rund 20-30kg Honig pro Bienenvolk belohnt. Damit ist so ziemlich der jährliche Zuckerbedarf gedeckt, wenn man Honig nicht nur zum Süßen von Tee sondern auch zum Konservieren verwendet und raffinierten Zucker beim Kochen und Backen durch Honig ersetzt. Honig: 300kcal/100g, 80g Zucker.

Beispiel Selbstversorger-Diät

Die Selbstversorger Diät ist sehr bodenständig und vegan und entspricht damit auch der Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung von 3 Portionen Gemüse (400g) und 2 Portionen Obst (250g) pro Tag. Allerdings könnte in meinem Beispiel die Menge an Obst und Saft – Fructose – deutlich zu hoch sein. Ich möchte hier nur überschlagsmäßig darstellen was am Beispiel eines durchschnittlichen Tages nötig wäre.

Frühstück

Mandelmilch zum Frühstück, aus 30g Mandeln: 190kcal; 16g Fett, 7g Kohlenhydrate, 7g Eiweiß

100g Beerenobst: 30kcal, 1g Eiweiß, 5g Kohlenhydrate

Mittagessen

300g Kartoffel-Beilage: 210kcal; 42g Kohlenhydrate, 6g Eiweiß

100g Puffbohnen: 80kcal; 18g Kohlenhydrate, 8g Eiweiß

100g Grünkohl: 49kcal; 1g Fett, 9g Kohlenhydrate, 4g Eiweiß

30g Walnüsse: 200kcal, 20g Fett, 4g Kohlenhydrate, 5g Protein

100ml Traubensaft: 60kcal, 15g Kohlenhydrate

Nachmittagssnack

200g Obst: 80kcal, 20g Kohlenhydrate, 1g Eiweiß

Abendessen

300g Gemüsecremesuppe mit Gemüse der Saison: Zucchini/Kürbis, Zwiebel, Knoblauch, Karotten, Erbsen, Kartoffeln

~ 100kcal , 3g Eiweiß, 12g Kohlenhydrate, 6g Fett

100g getrocknete weiße Bohnen: 290kcal, 20g Eiweiß, 40g Kohlenhydrate

100g Maismehl oder Popcorn:360kcal, 60g Kohlenhydrate, 12g Eiweiß, 5g Fett

30g Nüsse-Mix: 200kcal, 20g Fett, 4g Kohlenhydrate, 5g Protein

100ml Traubensaft: 60kcal, 15g Kohlenhydrate

Tagesbedarf Summe: 72g Protein, 67g Fett, 251g Kohlenhydrate, 1909 kcal aus 100% Selbstversorgung.

Wer mag und nicht 100% aus Selbstversorgung leben will, kann noch Eier, Mehl, Zucker, Öl und Milch extern beziehen und Pfannkuchen machen. Hier ein Beispiel für Palatschinken:

1 Ei mittelgroß: 55g ~ 75kcal, 5g Fett, 7g Protein

100ml Milch: 40kcal, 1g Fett, 5g Kohlenhydrate, 3g Protein

30g Mehl: 100kcal, 25g Kohlenhydrate, 3g Protein

10g Pflanzenöl (Rapsöl): 88kcal, 10g Fett

100g Konfitüre: 250kcal, 70g Kohlenhydrate

Pfannkuchen-Mahlzeit: 553kcal, 16g Fett, 13g Protein, 100g Kohlenhydrate.

Zusammenfassung:

30g Mandeln, 30g Walnüsse, 30g diverse Nüsse und Samen: 30g *365Tage = 11kg geschälte Mandeln, 11kg geschälte Walnüsse, 11kg Nüsse und Samen. 11kg geschälte Nüsse entsprechen ca. 30kg ungeschälte Nüsse und damit ca. den Vollertrag eines Mandel- und Walnussbaumes.

100g getrocknete Bohnen, sind 37kg getrocknete Bohnen pro Jahr oder ein 18m² Bohnenbeet.

100g Puffbohnen, sind 37kg frische ausgelöste Puffbohnen, ein 37m² Ackerbohnen-Beet oder 185 Ackerbohnen Pflanzen.

100g Grünkohl, rund 300g Ertrag pro Pflanze, 37kg werden benötigt, sind dies rund 123 Grünkohl Pflanzen bzw. 20m².

100g Popcorn Mais/Maismehl, sind 37kg Maiskörner, 250g/m², 148m² Maisbeet.

300g Kartoffeln, 110kg, 2kg/m², benötigt 55m².

1 Zwiebel, 365 Zwiebeln pro Jahr ~ 20cm Abstand zwischen Zwiebeln, 73 Laufmeter Zwiebeln für Beeteinfassungen bzw. bei einer Fläche von 20x20cm pro Zwiebel sind dies 15m².

2 Knoblauchzehen, 365 Tage, mit durchschnittlich 8 Zehen pro Knolle, sind dies etwa 92 Knollen oder ähnlich der Zwiebel 4m².

300g diverses Gemüse, ergibt 110kg; 55m².

300g Beerenobst und Obst der Saison und 200ml Obst (Traube; ~400g ungepresstes Obst) für Saft, ergibt dies 700g pro Tag oder 260kg Obst pro Jahr. Im Schnitt rechnet man im Obstgarten mit 1kg Obst/m² (beinhaltet auch Beerensträucher und Spaliere), sind dies etwa 260m² Obstgarten. Bei einem Spindelbaum kann man rund 10-20kg Ertrag rechnen. Bei sehr ertragreichen Kulturen kann man zwischen 3kg und 5kg pro m² kalkulieren. Wie am Beispiel der Weintrauben gezeigt, kann man Spaliere, Zäune und Wände beranken und opfert dadurch kaum Gartenfläche. Eine kluge Planung, etwa am Zaun entlang Spindelbüsche zu pflanzen statt einem Hochstamm direkt in der Mitte des Gartens, kann den Ertrag deutlich steigern und Vielfalt und Abwechslung liefern.

Zusammenfassung Bedarf für Selbstversorgung: Für die Selbstversorgung werden 2 Nussbäume (Mandel, Walnuss) benötigt, die eine Fläche von 50-100m² einnehmen. Mandelbäume werden deutlich kleiner als Nussbäume und können in der nachfolgenden Fläche für den Obstgarten leicht integriert werden. Der 260m² große Obstgarten beinhaltet zwischen 13 und 26 Obstbäumchen und diverse Beerensträucher und Spalierobst. Mit einem großen Walnussbaum, mehreren Mandelbäumen oder Haselnusssträuchern, rechnet man großzügig mit einem 400m² großen Food Forest.

Im Gemüsegarten nehmen Kartoffeln 55m² ein, gefolgt von diversem Gemüse 55m², 18m² Stangenbohnen, 37m² Puffbohnen, 20m² Grünkohl, 15m² Zwiebel, 4m² Knoblauch. Das ergibt eine Gesamtfläche von 204m² für den Gemüseanbau. Exklusive 148m² für Mais. Bei begrenzter Beetfläche ist definitiv anderes Gemüse zu bevorzugen. Puffbohnen und Kartoffeln sind im Sommer abgeerntet. Auf der Fläche kann eine weitere Pflanzung durch Buschbohnen vorgenommen werden. Zusätzliches Wintergemüse kann ebenso angebaut werden. In Gartenbeeten und Hochbeeten können durch Succession Planting laufend neue Pflanzen integriert werden um entnommenes Gemüse zu ersetzen. Diese Beetfläche kann durch kluge Planung wohl um bis zu 80m² reduziert werden. Ebenso ermöglicht vertical gardening (Gurken, Kürbisse, Stangenbohnen) und square foot gardening eine maximale Ausnutzung einer begrenzten Beetfläche. Rechnet man die Anbaufläche für Mais hinzu, kann mit 300m²-350m² gerechnet werden. All diese Berechnungen beziehen sich auf eine Person im Haushalt, allerdings mit rechnerisch 100% Eigenversorgung.

Berechne am besten deinen eigenen, persönlichen Bedarf anhand eines Wocheneinkaufs, einem Essens- und Menüplan, deiner individuellen, kulinarischen Gewohnheiten. Du wirst feststellen, dass du vielleicht gar nicht so viel selbst anbauen brauchen müsstest um schon einen deutlichen Effekt zu erzielen. Du erfährst weiter unten noch viele hilfreiche Tipps. Selbst als unerfahrener Gemüse“bauer“ und Hobbygärtner wird es dir damit nicht schwer fallen mit der Selbstversorgung zu beginnen.

Zuerst Geld in den Selbstversorger Garten investieren und dann Ernten

Zuerst musst du Geld investieren um anschließend Geld zu sparen. Klingt fast wie ein Pyramidenspiel. Du wirst allerdings auch ruhiger schlafen, wenn du in deine Versorgungssicherheit bei Nahrung und Lebensmitteln aus dem eigenen Garten investiert hast. Gärtnern kann, wie jedes andere Hobby auch, sehr viel Geld verbrennen und am Ende schaut dabei nix raus. Besonders wenn teures Saatgut gekauft wird – noch schlimmer teure Jungpflanzen! – und die Pflanzen nur kümmerlich wachsen oder einen irgendwann ganz im Stich lassen und absterben.

Daher ein paar Tipps wie dir das nicht passiert. Wähle Pflanzen aus, die dir tatsächlich Geld sparen und die du auch regelmäßig isst, mit denen du auch umgehen kannst und mit deren Pflege du klarkommst. Gärtnern für kluge Faule. Mache deinen eigenen Kompost/Dünger. Sorge für ausreichend Wasser (Wasserfass, Bodenverbesserung/Mulch, Bewässerungslösungen wie Ollas installieren z.b. alte Tontöpfe) und spare dir dein Geld bei gekauften Hochbeeten. Generell ist upcycling und do-it-yourself hier das oberste Gebot. Hochbeete lassen sich aus alten Brettern oder noch besser aus Ziegelsteinen schnell und unkompliziert aufbauen.

Ein Pfahl, ein Stock, eine alte Schaukel, ein Lattenrost, ein Zaunelement, eine Leiter…lassen sich als Rankhilfe nutzen. Baue vertikal an, also lasse so viel wie möglich hochranken. Rankpflanzen benötigen kaum Fläche am Boden und können noch eine Unterbepflanzung mit Kräutern, Gewürzen, Schattenpflanzen, Bodendeckern oder Blumen bekommen. Zu den Rankgemüsen zählen Bohnen, Gurken, Melonen, Kürbisse, Wein oder Kiwi.

Durch Vertikal Gardening wertest du ungenutzte Mauern, Zäune, Häuserecken oder Ränder von Hochbeeten (immer die Nordseite für Rankgerüste wählen wegen Beschattung) ungemein auf und steigerst deinen Ertrag im Handumdrehen. Oft reichen hierfür schon wenige Schnüre, Seile oder Drähte und deine improvisierte Rankhilfe ist fertig. In der Permakultur kannst du auch kleine Obstbäume, Sonnenblumen oder Maispflanzen als Rankhilfe nutzen.

Du musst keinen Schönheitspreis gewinnen. Das Zauberwort heisst zweckmäßig, denn du kannst dich am Grün und an Blüte und Früchten erfreuen und selbst ein hässliches Rankgestell wird schon bald traumhaft grün erstrahlen und deinen Garten beleben.

Baue nur an was du auch regelmäßig isst. Dieser banale Tipp erspart dir unnötigen Ärger und Frust. Selbst wenn Tomaten sehr leicht zu kultivieren sind und reiche Ernte bedeuten, du aber wenig Tomaten in der Küche verwendest, sparst du dir damit kein Geld, wenn du sie dennoch in rauen Mengen anbaust. Außer natürlich dir sind die hohen Erträge wichtig und du baust deinen Kochplan künftig soweit um, dass du von nun an vorwiegend dein selbstgezogenes Gemüse verwertest. Selbstgemachtes Ketchup oder Tomatenmark ist zwar lecker aber auch einiges an Küchenarbeit und das solltest du bedenken. Wenn du weder Zeit noch Lust an Bevorratung und Obstveredelung hast, ist es kontraproduktiv in Übermaßen anzupflanzen und den Erntesegen ungenutzt vergammeln zu lassen… Später werde ich dir noch einige Tipps geben wie du das verhindern kannst. Hier nur kurz – Vernetze dich mit anderen, tausche und kooperiere. Wie wäre es wenn DU die Tomaten anbaust und dann die Überschüsse mit jemandem tauscht, der selber zu viele Paprika, Gurken oder Zucchini hat oder gerne kocht und diese gerne konserviert? Connecte dich mit deiner Cummunity und Nachbarschaft.

In Kombination mit Reis, Nudeln und Hülsenfrüchten kannst du dein selbst gezogenes Gemüse in sehr preiswerte und ausgewogene Speisen verwandeln. Du kannst dir ganz spielend neue Essgewohnheiten aneignen und musst dadurch in Folge weniger im Supermarkt einkaufen. Stichwort: Grundnahrungsmittel und einfache alte Rezepte aus Großmutters Zeiten. Einfache Gerichte können auch raffiniert und köstlich gekocht werden und man kann bei teuren Zutaten sparen ohne das Gefühl zu haben gleichzeitig am Genusswert gespart zu haben. Bei einigen Dingen zur Krisenbevorratung und Versorgung wirst du ohnehin nicht herumkommen diese zu kaufen aber du kannst einen Teil der Kosten etwas abfedern, wenn du klug kalkulierst.

Die beste Jahreszeit zum Anbau ist übrigens der Spätsommer (August)/Herbst. Warum wirst du dich jetzt fragen, da man ja gewöhnt ist vorwiegend im Mai die Sommerernte anzupflanzen und ab September eigentlich schon alles abgeerntet ist. Knoblauch, Zwiebel benötigst du ohnedies ganzjährig und dafür brauchst du einen eigenen Plan. Grünkohl, Gartenkresse, Salate (Asia Salate, Wintersalate, Pflücksalate), Karotten, Rettiche, Mangold, Rote Rüben (Rote Beete) und Herbstrüben wirst du auch im Winter dankbar frisch aus dem eigenen Garten ernten können, wenn du sie zeitgerecht angepflanzt hast. Im August ist der beste Zeitpunkt alle Aussaaten für die Wintermonate zu tätigen. Über Unkraut (Beikräuter) musst du dir im Winter auch keine Sorgen mehr machen, denn das behindert deine Nutzpflanzen in der kalten Jahreszeit nicht am Wachstum. Wintergärtnern ist viel entspannter. Winter bedeutet übrigens „die nasse Jahreszeit“ und damit ersparst du dir auch das regelmäßige Gießen. Praktisch nicht? Du musst nur aufpassen dass die Pflanzen nicht verfaulen, denn das ist die größere Gefahr. Kälte und Frost sind nicht das vorrangige Problem beim Gärtnern im Winter.

Wenn du es noch nicht wusstest: einige Gemüsearten sind bedingt winterhart und überstehen frostige Temperaturen auch ungeschützt im Beet. Hast du einen Folientunnel oder ein Frühbeet, noch besser. Und ja es gibt weit mehr was du anpflanzen könntest als das oben erwähnte. Du musst dich nur etwas informieren.

Aber so 100+ Grünkohlpflanzen, die immergrün den ganzen Winter über im Garten weiterwachsen wie kleine Thujen und Null Pflege benötigen, sind schon eine echte Erleichterung für den Hobbygärtner und faulen Selbstversorger. Du brauchst nur kurz raus zu gehen und ernten und kannst dir Suppe, Spaghetti-Soße oder Beilage frisch auf den Teller holen. Mit dem Wintergärtnern sparst du dir zusätzlich Stress beim Haltbarmachen, Einkochen und Einfrieren im Sommer. Denn es ist alles weiterhin erntebereit hinterm Haus, nicht mal beim Gärtner bekommst du dein Gemüse so frisch auf den Tisch. Und sind wir uns ehrlich, der Winter ist lang genug, zu schade also diese finstere und kalte Zeit gärtnerisch völlig ungenutzt verstreichen zu lassen. Gemüse ist schließlich eine Pflanze, die meist zweijährig wächst und im zweiten Jahr dann blüht. Gärtnern bedeutet nicht, dass der Gärtner jätet und mit schlammigen Stiefeln arbeitet sondern, dass man Gemüse ernten kann.

Du bietest mit überwintertem Gemüse den Insekten im Frühjahr zusätzlichen Nektar an. Wenn dein Gemüse dann schließlich blüht, kannst du von samenfesten Sorten wieder eigenes Saatgut ernten. Grünkohl kann übrigens auch während der Blüte noch verzehrt werden und erinnert dann etwas an Brokkoli. Manche behaupten er sei dann erst richtig köstlich und nur deswegen lohne sich der Anbau wirklich. Mal abgesehen von dem vielen, vielen, frischen, knackigen Grün, das du selbst bei Schnee ernten kannst. Die langwierige und durch die Aussaaterde recht teure Anzucht von Jungpflanzen kannst du dir bei vielen Gemüsearten auch ersparen, da du die Samenkörner gleich direkt ins Beet streuen kannst, Direktsaat von Gemüse.

Wir sind beim Gärtnern zu sehr an wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Mais und Gurken gewöhnt, die ursprünglich aus ganz anderen Erdteilen stammen und teilweise etwas an Pflege benötigen, dass wir vergessen haben was in unseren Breiten vorwiegend angepflanzt wurde und auch den Winter gut übersteht. Das klassische Gartenjahr beginnt mit der Voranzucht im Frühjahr, Auspflanzen nach den Eisheiligen und Abernten der Beete im Herbst, denn ab dem ersten Frost ist endgültig Schluss mit der Gartensaison. Dabei macht Wintergärtnern noch viel mehr Spass, da es hauptsächlich aus Ernten besteht. Mit dem Besten aus beiden Welten und kluger Anbau-Planung lässt sich eine hervorragende Selbstversorgung rund um’s Jahr hinbekommen.

Beerenobst und Obstbäume zur Selbstversorgung

Von allen Beeren sind Erdbeeren am Schnellwachsendsten und bringen schon im Juni erste Erträge für selbstgemachte Erdbeermarmelade. Ein paar m² reichen aus um den Vorratsschrank zu füllen. Jede Pflanze bildet im Sommer Ausläufer und die automatische Vermehrung liefert dir weitere neue Pflanzen für die nächsten Jahre. Am besten gleich neue freie Flächen bepflanzen, denn die Erdbeere bietet sich als Bodendecker unter Obstbäumen an. Etwas Knoblauch dazu und die perfekte Mischkultur ist fertig.

Mehr Geld sparst du mit Himbeersträuchern und Brombeersträuchern. Denn Himbeeren sind üblicherweise recht teuer und werden im Supermarkt zum Frischverzehr zu 125g abgepackt angeboten. Wenn die Himbeerstauden mal etabliert sind, lassen sie sich einfach über Wurzelausläufer vermehren und wachsen sehr genügsam am Gartenzaun entlang oder in ungenutzten Ecken rund um’s Haus und bleiben auch dort für viele Jahre.

Da Himbeeren üblicherweise am Waldrand wachsen, macht ihnen Halbschatten auch nicht viel aus. Dies trifft auf fast alle Beerensträucher zu und daher sind sie auch gute Unterbepflanzungen für Obstbäume. Begrüne und verschönere unliebsame, hässliche Fleckerl im Garten einfach mit fruchttragenden Beerensträuchern.

In der Regel gibt es schon ab dem Jahr der Pflanzung bei größeren Jungpflanzen oder spätestens im Jahr darauf die erste Ernte. Beerenpflänzchen machen sich recht schnell bezahlt und beginnen bald sich zu amortisieren.

Beerensträucher lassen sich entweder durch Wurzelausläufer oder durch Stecklinge bzw. Steckholz vermehren. Besonders Johannisbeeren und Stachelbeeren sind easy und problemlos was die Vermehrung betrifft. Aus wenigen Beerenpflanzen kannst du mit wenig Aufwand schon bald genug Nachkommen klonen um den ganzen Garten restlos zu füllen und das gratis.

Mit Weintrauben hast du zudem die Option einen Zaun oder eine Pergola zu begrünen und gleichzeitig eigenen Traubensaft (rund 200g Zucker pro Liter!) oder Wein zu keltern. Ein Rebstock, wenn er genug Platz zum Ranken hat, liefert je nach zur Verfügung gestelltem Raum pro Austrieb rund 100g-300g schwere Trauben. Reben wachsen zwar schnell, benötigen aber doch ein paar Jahre um ein Rankgerüst völlig in Beschlag zu nehmen. Dann aber setzen hohe und regelmäßige Erträge ein. Hier hat man die Wahl ob man verschiedene Rebsorten in kürzeren Abständen zu einander setzen möchte ala Weinberg oder ob man doch lieber eine einzige oder ein paar Reben größer wachsen lassen möchte. Für den Ertrag macht es am Ende wenig Unterschied, da nur die Anzahl der Augen bzw. Austriebe pro Meter zählt. Mit mehreren Reben hat man Abwechslung beim Naschen und eine gewisse Ausfallversicherung wenn ein Rebstock im Laufe der Zeit absterben sollte.

Eigene Erfahrung: 5 Laufmeter an Reben können schon mal gut und gerne 20kg Trauben liefern. Das heisst man könnte 20 Tage lang täglich 1kg Trauben naschen. Nach einer einzigen größeren Ernte haben sich die Reben bereits bezahlt gemacht. Nachdem sie mehrere Jahrzehnte leben werden und zuverlässig Naschobst liefern, wirst du lange deine Freude damit haben. Oft kann die üppige Ernte gar nicht verbraucht werden und nicht wenige Gartenbesitzer beginnen diese zu verschenken weil es einfach zu viel für den Eigenbedarf ist.

Wenn man ein paar Meter im Garten erübrigen kann, wird man jedes Jahr im Herbst reichlich mit Weintrauben beschenkt. Man sollte dann aber eine Rebsorte (Keltersorte) wählen, die sich zum Weinmachen eignet. Denn diese Trauben schmecken nicht nur köstlich sondern lassen sich mit wenig Aufwand und manchmal sogar ohne Weinpresse entsaften. Idealerweise wählt man Piwi-Reben, also pilzwiderstandsfähige Sorten, die müssen nicht gegen Pilzkrankheiten gespritzt werden. Aus Weintrauben kannst du selbstgemachten Traubensaft herstellen. Tafeltrauben eignen sich nur für Frischverzehr und lassen sich gar nicht pressen und entsaften. Dadurch kannst du sie praktisch nicht konservieren außer vielleicht kernlose Tafeltrauben, die du ggf. als Rosinen trocknen könntest oder Trauben Konfitüre.

Obstbäume für den Selbstversorger

Obstbäume sind hingegen ein Investment, das Zeit braucht, sich dann aber über viele Jahre bezahlt macht. Welchen Obstbaum du wählen solltest und hier eine Wertung abzugeben, welche Obstart besser ist als eine andere, ist schwierig. Ganz oben dürfte aber dennoch unangefochten der Apfelbaum stehen. Äpfel eignen sich von allen Obstarten am Besten zum Lagern. Äpfel kannst du laufend verkochen und wenn große Mengen anfallen, kann man auch zum Versaften (Apfelsaft) raten, wenngleich diese Art der Verwertung etwas aufwändiger ist als bei Weintrauben.

Im Idealfall sollte es sich um selbstfruchtbare Obstsorten handeln wo du keine speziellen Befruchtersorten zusätzlich benötigst und solche, die weniger von Alternanz (jährliche Schwankung in der Erntemenge) und Krankheiten befallen werden. Also kurz gesagt robuste Sorten für die Selbstversorgung. Alte traditionelle Obstsorten bzw. historische Obstbäume haben sich hier bewährt.

Der Preis von Obstbäumen kann auch ein Thema sein, besonders wenn man mehrere kaufen möchte oder eine größere Fläche bepflanzt werden soll. Ist einer teuren Baumschule der Vorzug zu geben oder tut es auch der Aktions-Obstbaum vom Diskounter? Denn bei Letzterem lassen sich doch gleich mehrere Bäume um dasselbe Geld pflanzen oder weniger Bäume aber preiswerter setzen und hier dreht es sich um’s Sparen?

Diese Frage ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Will man spezielle Bäume und Obstsorten haben, wähle man auf jeden Fall immer die Baumschule des Vertrauens. Denn hier bekommst du kompetente Beratung und solltest mit ziemlich hoher Sicherheit auch das bekommen was am Etikett draufsteht. Wenn nicht, weisst du wo du reklamieren kannst. Du unterstützt regionale Wirtschaft mit fairen Preisen.

Wenn man bedenkt, dass 1kg Obst am regionalen Wochenmarkt in der Saison auch schon mal 10 Euro kosten kann, dann hat sich selbst so ein Baum um 30 oder 50 Euro schon im ersten Ertragsjahr amortisiert und liefert ab diesem Zeitpunkt kostenloses Obst, mit ein bisschen Glück, sogar lebenslang. Da ein Baum etwas Zeit benötigt zum Anwachsen und fruchten und man mit diesem eine gewisse Zeit lang leben müssen wird und später die Ernte genießen möchte, sollte man daher nur Sorten pflanzen, die man auch unbedingt haben will. Daher ist es sehr ratsam vor dem Pflanzenkauf auf die Sortenwahl zu achten und man kann es nicht oft genug wiederholen – informiere dich ganz genau vorher. Das erspart dir am Ende jede Menge Ärger.

Ein Supermarkt-Aktionsbaum kann gute Ergebnisse bringen und man kann durchaus zufrieden damit sein. Ein Vorteil ist oft, dass es sich um kleinwüchsige Buschbäume, Spindelbüsche oder Halbstämme handelt. In kleinen Gärten sind diese kleinen oder gar Mini-Obstbäume, wie das sogenannte „Säulenobst“, eine wunderbare Ergänzung und ja diese Bäume sind preiswert und man kann sich davon ruhig mal mehrere gönnen. Man muss sich aber auch etwas auskennen. Lebt der Baum beim Kauf überhaupt noch, ist es ganz sicher die Sorte, die am Etikett draufsteht (Kernobst von Steinobst optisch sollte man selber schon unterscheiden können, der Rest ist eher Vertrauenssache, denn erst wenn es die ersten Früchte gibt, kann man bei der Sorte wirklich sicher sein) und weiß ich über diese spezielle Obstsorte Bescheid? Passen all diese Ausschluss-Kriterien und handelt es sich auch noch um die gewünschte Sorte, dann unbedingt zugreifen bei dem Schnäppchen.

Vor einem Obstbaumkauf sollte man sich, wie schon erwähnt, dringend über die unterschiedlichen Sorten, Befruchtungsverhältnisse, Reifezeitpunkte, Lagereignung, Verwertungsmöglichkeiten, Krankheiten und um das Wichtigste überhaupt, den Geschmack der Sorte, informieren. Nichts ist deprimierender als nach ein paar Jahren draufzukommen, dass die Sorte ein Fehlkauf war, weil sie nicht schmeckt. Sie ist nicht steinlösend, lässt sich nicht für Kuchen verwenden, übersteht Einfrieren nicht gut, eignet sich nur zum Frischekonsum und nicht zum Backen usw.. Sie muss einfach für die eigenen Bedürfnisse passen.

Im schlimmsten Fall ärgert man sich jahrelang darüber und hat keine Freude damit, muss den Baum roden oder hat irgendwann die Chance eine Umveredelung zu versuchen um den Baum ordentlich zu nutzen. Selbiges gilt natürlich für Sämlingsbäume, die wild im Garten aufgegangen sind oder die man geschenkt bekommen hat. Das kann gut funktionieren, muss es aber nicht. Denn erst nach einigen Jahren schmeckt man das Ergebnis und lernt selber mehr über die Früchte des Baumes und ihre Verwertungsmöglichkeiten. Es gibt also keine Referenz dazu und der Baum ist vermutlich ein genetisches Unikat. Viele der bekannten Sorten sind genau aus solchen Zufallssämlingen entstanden und mit etwas Glück hat man richtige Freude damit. Es kann aber auch ein mittelprächtiges oder eher mieses Ergebnis dabei herauskommen.

Was nützt ein wilder Apfelbaum, der im Herbst reichlich Äpfel liefert und ein wahrer Massenträger ist, die Äpfel aber schon Ende September bis Anfang Oktober nicht mehr gut lagerfähig sind? Wer die Möglichkeit hat, kann hier Apfelsaft mosten. Das würde aber mit jeder anderen, edleren Apfelsorte auch funktionieren. Wer genug Platz im Garten hat, freut sich einfach über das Geschenk der Natur. Wer begrenzte Möglichkeiten hat und den ersten Apfelbaum überhaupt setzen möchte, sollte lieber über Alternativen nachdenken. Bei begrenztem Platz wäre auch das Veredeln, z.b. mehrere Apfelsorten auf einem Baum, eine coole Idee mehr Abwechslung auf kleinem Raum zu haben und das Erntefenster damit erweitern.

Es ist ebenfalls ärgerlich wenn der Baum im Frühling immer schön blüht aber der kleinste Spätfrost killt in Folge alle Fruchtansätze und es gibt nur in wenigen Jahren Ernten. Hat man mehrere Bäume und verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Erntezeitpunkten, kann man Ernteausfälle bei einzelnen Obstbäumen immer leichter verkraften. Diversität ist bei Selbstversorgung immer das oberste Ziel.

Marillenbäume

Ich würde Obstbäume nach Essgewohnheiten wählen. Wer gerne Marillenmarmelade bzw. Aprikosenmarmelade isst, ist mit einem Marillenbaum gut beraten, auch wenn diese nicht immer ganz zuverlässig sind und mitunter auch schon mal plötzlich absterben können. Hier reicht schon eine kleine Ernte für dieses Vorhaben des Marmeladeeinkochens. Marillen lassen sich problemlos halbieren und entsteinen, zu Marillenmarmelade oder Marillenkompott verkochen oder die Marillenhälften einfrieren und später nutzen.

Die frühreifende Aprikose de Nancy ist zwar schon Ende Juni erntereif aber leider in unserem Garten spätfrostgefährdet. Daher würde ich zu Bergeron oder einem anderen Aprikosenbaum tendieren um mehr Versorgungssicherheit zu haben, da deren Blüten und Früchte normalerweise nicht spätfrostgefährdet sind. Die Früchte von Bergeron sind erst im August reif und so lässt sich auch noch zu einem späteren Zeitpunkt Marillenmarmelade einkochen.

Du siehst schon an diesem kleinen Beispiel, dass du mit beiden Bäumen im Garten sogar 2x in der Saison Marillen ernten und verarbeiten könntest, einmal recht früh aber unsicher im Sommer und einmal etwas später aber dafür sicherer. Dies ist insofern interessant da du mit kleineren Buschbäumen viel mehr Vielfalt pflanzen kannst. Du hast gleichzeitig keine riesige Flut an plötzlich auftretenden Erntemengen, die du kaum noch essen und verwerten kannst, weil jeder Baum klein gehalten wird. Zudem hast du auch etwas Zeit bis der nächste Baum zu beernten ist und Abwechslung beim Naschen. Und sollte ein Baum plötzlich eingehen und absterben oder Frostschäden oder sonstige Krankheiten haben, besteht noch die Chance dass ein zweiter Obstbaum von einer anderen Sorte dich nicht im Stich lässt.

Idealerweise setzt du natürlich verschiedene Obstarten um durch das ganze Jahr hindurch gut versorgt zu sein. Wenn es der Garten platzmäßig hergibt und du klug verschiedene Sorten wählst, kannst du fast nahtlos von Mai bis November immer frisches Obst ernten.

Zwetschenbäume

Mit Steinobst wie Zwetschgen, Pflaumen oder Mirabellen bist du in der Regel ebenfalls gut aufgestellt. Meist sind sie selbstfruchtbar und wenn man ihnen genug Platz gibt, können sie wahre Massenträger werden. Sie versorgen dich recht zuverlässig und praktisch ohne größere Ausfälle jedes Jahr mit Pflaumen.

Wähle hier eine steinlösende Sorte, die sich zum Einfrieren, Backen und Konservieren eignet. Die klassische Sorte ist die Hauszwetschke aber es gibt noch eine Vielzahl anderer wie President, die als besonders spätreifende Zwetsche gilt. Die entsteinten Zwetschgen lassen sich für später optimal einfrieren.

Will man schon im Sommer Frühzwetschgen oder Sommerpflaumen direkt vom Baum essen, kann man die große grüne Reineclaude, Mirabelle de Nancy, The Czar oder Ontariopflaume in Betracht ziehen. Wer mag kann auch die Wildform, das Kriecherln, die Kirschpflaume, in den Garten setzen. Diese Bäume sind besonders robust. Die Früchte sind säurebetont, meist gelb bis rötlich, klein wie Kirschen, nicht steinlösend und nicht zur Lagerung geeignet. Aus Kriecherln macht man vorwiegend Kompott- oder Konfitüre, wo die Steine beim Aufkochen der ganzen Früchte entfernt werden müssen. Manchmal sind die Übergänge auch fließend und die Bezeichnung Kriecherln und Mirabellen werden synonym gebraucht.

Kirschenbäume

Süßkirschen lassen sich in der Regel nur schwer entkernen, sind saftarm und anfällig für Würmer, außer man pflanzt sehr frühe oder sehr späte Sorten (die Süßkirsche „Rote Späternte“ reift erst im August/September!) und sie brauchen meist eine Befruchtersorte. Daher ist Sauerkirschen bzw. in dem Fall selbstfruchtbaren Schattenmorellen-Buschbäumen der Vorzug zu geben. Auch deswegen weil die Früchte mit dem Kirschentkerner entkernt werden müssen und dadurch recht arbeitsintensiv sind, gebe ich hier nur eine bedingte Eignung ab. Der Vorteil von Sauerkirschen ist, dass sie auch im Schatten einer Hauswand gut gedeihen und keine besonderen Ansprüche stellen. Die kleinen Bäumchen lassen sich problemlos unterbringen und liefern auch recht zuverlässig und ohne Krankheitsanfälligkeit ab Ende Juni/Anfang Juli süß-saure Kirschen zum Naschen, Einmachen oder Einlegen in Alkohol. Zeitlich sind sie auch zwischen Marillen und Sommerpflaumen reif und erweitern einfach das Obstangebot im Garten.

Apfelbaum, Birnbaum

Zu den klassischen Obstbäumen zählen Apfelbaum und Birnbaum. Hier würde ich zu Lagerobst tendieren um im Herbst/Winter laufend frische Äpfel und/oder Birnen vorrätig zu haben. Klaräpfel sind zwar schon ab Juli erntereif, lassen sich aber nicht lagern und ergeben maximal Apfelstrudel oder Apfelmus, das man einkochen könnte. Apfelsaft wäre möglich, wäre dann aber sortenrein, da ja alle anderen Äpfelsorten sehr viel später reifen und ob man 2x im Jahr Apfelsaft mosten möchte, fraglich.

Bei reicher Herbsternte von Äpfeln lässt sich Apfelsaft bzw. Apfelmost herstellen. Allerdings ist die Herstellung aufwändiger als bei Traubenmost und erfordert eine Obstmühle zum Zerkleinern der Äpfel vor dem Pressen. Hat man sehr viele Äpfel und weiß, dass diese eine Lagerung nicht überstehen werden, kann es sich rentieren Most selber herzustellen. Besser ist man natürlich beraten von den Lageräpfeln im Winter laufend Apfelmus zu kochen, da bis auf das Kerngehäuse der gesamte Apfel verwertet wird.

Bei selbstgemachtem Apfelmost liegt die Ausbeute im Bereich 40-50% und es fällt ein größerer Anteil an Apfeltrester an, der auf dem Kompost landet und nicht gegessen wird. Das macht bei Selbstversorgung wenig Sinn, außer man hat sehr viele Äpfel und die Safterzeugung ist eine ideale Ergänzung um große Ernteüberschüsse noch gut verwerten zu können ehe vielleicht zu viele Äpfel plötzlich schlecht werden würden.

Pfirsischbaum, Mandeln und Nüsse

Pfirsichbäume, Nektarinen und Tellerpfirsiche und damit verwandt der Mandelbaum, die Süßmandel. Die Bäume der Pfirisch-Familie sind etwas schnitt- und pflegeaufwändiger als andere Obstbäume und ihre Lebenserwartung ist nicht ganz so hoch wie das anderer Obstbäume. Dennoch setzt der Ertrag relativ früh ein und bei Wechselschnitt kann er über mehrere Jahre konstant gehalten werden.

Bei Mandelbäumen hat man zudem die Option selber fettreiche Samen, Süßmandeln, zu ernten. Ein ausgewachsener kleiner Mandelbaum kann 5-10+kg Mandeln liefern und damit den Jahresbedarf eines Erwachsenen decken. Da Mandelbäume im Vergleich zu Walnussbäumen kleiner sind und schneller wachsen, bringen sie schnelleren Ertrag.

Ähnlich schnell kommen Haselnusssträucher in wenigen Jahren in Ertrag und liefern zudem auch noch gerade Äste, die sich beim Rückschnitt für Gartenbefestigungen, Pflanzstäbe oder zum Heizen im Winter eignen.

Ein Walnussbaum trägt erst nach 10-15 Jahren zum ersten Mal Nüsse. Allerdings kann man von einem ausgewachsenen Walnussbaum auch 20-30kg Nüsse ernten und wäre damit ganzjährig mit fettreichen Nüssen, in denen das wertvolle Walnussöl enthalten ist, versorgt. Ein großer Walnussbaum macht erstens sehr viel Schatten und braucht andererseits auch sehr viel Platz, während Haselnusssträucher am Gartenzaun entlang wachsen können.

Wildobst und winterharte Exoten im Garten für Selbstversorger

Tja hier wurden bislang nur die klassischen Obstarten behandelt, doch in einem Selbstversorger-Garten muss auf jeden Fall noch ausreichend Platz für Wildgehölze und winterharte Exoten frei sein. Denn erst durch die Vielfalt macht Obst aus dem eigenen Garten erst so richtig Spass. Hier ein kleiner Überblick Was im Jahreskalender Wann beerntet werden kann.

Zwar nicht direkt Obst sondern mehr Gemüse, der Rhabarber. Wenn er mal angewachsen ist, kann er große Stauden bilden, die im Frühling ab April bis Mai beerntet werden können. Kompott, Saft, Sirup, Marmelade oder Kuchenbelag kannst du aus Rhabarber machen. Hat sich mal eine Staude in einem ungenutzten Eck, beim Kompostplatz oder unter Bäumen etabliert, kannst du sie jahrelang nutzen.

Sibirische Honigbeere, Maibeere oder einfach Haskap genannt, liefert, im Gegensatz zur anspruchsvolleren Heidelbeere und anderen Moorbeetpflanzen wie der Cranberry oder Preiselbeere, schon Anfang Mai die ersten blauen kleinen Beeren und wächst auf normalem Gartenboden. Sie ist damit das erste Beerenobst, das im Garten die Beerensaison einläutet. Ebenso einfach wie Johannisbeeren oder Stachelbeeren lassen sich auch Haskaps vermehren und schon bald hast du deinen eigenen Fruit Garden.

Melonen (Wassermelone, Zuckermelone oder Honigmelone) sind leider einjährig und müssen, wie Gurken, Kürbisse und Zucchini, jedes Jahr neu angebaut werden. Man kann sie in der Anbauplanung daher zum einjährigen Gemüse zählen.

Ab Juni und Juli gibt’s dann auch die ersten Johannisbeeren und Stachelbeeren zu ernten.

Dein Platz ist begrenzt aber du möchtest doch den Geschmack von Maulbeeren nicht missen? Setzt dir eine Zwergmaulbeere, diese bleibt sehr klein und wird nicht viel größer als ein Johannisbeerbusch. Der Zwergmaulbeeren-Strauch schenkt dir ab Juni bis Juli die ersten schwarzen Maulbeeren.

Die Felsenbirne bzw. die aus Kanada stammenden Saskatoon Sträucher liefern dir ab Juni leckere dunkle an Heidelbeeren erinnernde Früchte, die sich zum Verarbeiten eignen. Da die Sträucher größer werden, steigt damit auch der Ertrag kontinuierlich.

Die Japanische Weinbeere ist mit Himbeere und Brombeere verwandt und ein mehrjähriger winterharter Beerenstrauch, der dir reiche Ernte ab August beschert.

Goji Beeren werden auch im Hochsommer reif und das Superfood eignet sich getrocknet für Müsli oder wird frisch vom Bocksdorn Strauch genascht.

Wer mag kann auf winterharte Feige (selbstfruchtbar sollte die Feigen-Sorte aber sein!) und Mini-Kiwi, falls Spalier vorhanden, setzen.

Ein anderes Wildobst ist der schwarze Holunder, der ebenfalls im August erntereif wird und in vielen naturnahen Gärten zu finden ist. Mit Zapfenschnitt ähnlich dem Weinschnitt, kann der Holunder niedrig und ertragreich gehalten werden.

Der Dirndl-Busch blüht nicht nur im Frühling schön gelb und ist eine Bienenweide. Im September werden die roten Kornelkirschen reif, die sich zum Verarbeiten anbieten.

Im September sind auch die Apfelbeeren bzw. Aronia reif und werden zu Marmelade, Aroniasaft oder Mischsäften (Apfel-Aronia-Saft) verarbeitet. Ein Aronia Strauch kann gut 10kg Früchte tragen und liefert verlässlich jedes Jahr Früchte zur Verarbeitung.

Wer es exotisch mag kann auch eine Indianerbanane (Asimina triloba) setzen. Der Baum wächst sehr langsam und hat anfangs nur wenige und unregelmäßige Ernten. Allerdings ist dieser aus Nordamerika stammende winterharte Exot frostfest bis -25°C und bereichert das Frisch-Obstangebot im September mit einer an Mango, Banane, Ananas und von der Konsistenz an Avocado erinnernden Frucht – und das in Österreich bzw. Schweiz, Deutschland (Europa).

Die Früchte der Ölweiden (Korallenölweide) werden je nach Sorte im Februar-April, Juni-Juli und im September reif. Da die Sträucher sehr ausdauernd sind, trockenheitsresistent und selber Stickstoff sammeln, sind sie sehr pflegeleicht und ideal für den Klimawandel geeignet.

Zierquitten sind rot-orange blühende Ziersträucher, deren Früchte im Herbst reifen und genauso wie die Früchte echter Quitten zu Gelee verarbeitet werden können.

Die Chinesische Dattel, rote Dattel oder chinesische Jujube, ein winterharter asiatischer Obstbaum, liefert frische apfelähnliche Früchte, die später am Baum dattelartig eintrocknen und eine Marshmallow Konsistenz mit süßem Dattel-Geschmack aufweisen.

Wer mag kann auch Nashi-Birnen pflanzen, die normalen Birnen im Anbau ähnlich sind.

Echte Quitten werden ab Oktober erntereif und lassen sich optimal zu Quittenkonfekt oder Quittenmarmelade einkochen. Sie sind sehr ertragreich, liefern hohe Erträge und das im Winter.

Sanddorn ist DIE Vitamin-C-Quelle im Winter und die Sanddorn-Beeren können frisch vom Strauch genascht werden. Sie lassen sich auch wunderbar zu Sanddornsaft oder Sanddornkonfitüre einkochen.

Kiwi: die echte Hayward Kiwi sollte im November vor dem ersten Frost dringend geerntet werden. Sie reift dann im kühlen Keller bis in den Februar hinein nach und kann laufend gegessen werden. Ja nach Rankfläche können Kiwis sehr ertragreich sein. Passen die Befruchtungsverhältnisse (männliche, weibliche Kiwi Pflanzen) sind durchaus bis zu 50kg von einer weiblichen Pflanze erntbar. Hat man den Platz (Pergola oder Häuserwand, Spalier) macht sich der Anbau definitiv bezahlt. Ähnlich der Weinreben erfordert der Schnitt zwar etwas Aufwand aber die Ernte lohnt sich.

Mispeln oder Asperln werden im November erst nach dem ersten Frost essbar und weich. Sie können frisch vom Baum gegessen oder zu Mispel-Konfitüre verarbeitet werden. Üblicherweise erntet man sie kurz vor Weihnachten.

Kaki Bäume sind teilweise auch winterhart und die Früchte reifen ebenfalls erst nach dem ersten Frost. Dann verlieren sie ihre Bitterstoffe, werden weich und können gegessen werden.

Klimawandel-Tipp: statt spätfrostgefährdete Marillenbäume lieber Kakis pflanzen.

Schlehen benötigen ebenfalls Frost zum Reifen. Allerdings bestehen die Früchte des Schwarzdorns aus einem großen Steinkern und sind beliebt bei Vögeln. Aus ihnen lassen sich vorwiegend Schlehen-Likör und Schlehenbrand erzeugen. Der Anbau ist im Privatgarten wenig sinnvoll, da die Erträge eher gering sind. Allerdings ist der Schlehdorn im Frühjahr mit seinen vielen weißen Blüten eine wahre Augen- und Bienenweide und unterstützt das Nektarsammeln der Honigbiene und von anderen Insekten im zeitigen Frühling.

Lediglich die Kap-Stachelbeere oder Inkapflaume muss, ähnlich wie Tomaten, jedes Jahr frisch angebaut und im Frühjahr Indoor vorgezogen werden, denn sie darf keinen Frost abbekommen. Ein Überwintern im Wintergarten oder Keller ist möglich, so können die Pflanzen mehrjährig gezogen werden und zeigen bereits Anfang April ihre Blüten.

noch unbekanntere Exoten:

  • Blauschotenstrauch (Blaugurke)
  • Japanischer Blumenhartriegel (Cornus causa)
  • Nanking Kirsche (Prunus Tomentosa)
  • Wu-wei-zi (Schisandra Chinensis), Chinabeere, Kraut der 5 Geschmacksrichtungen
  • to be continued.

Gemüsepflanzen für den Selbstversorgergarten

Zu den ausdauernden Pflanzen im Gemüsebeet zählen die mehrjährigen Gewürzpflanzen und Kräuter – z.b. Salbei, Thymian, Pfefferminze, Rosmarin, Majoran, Lavendel, Oregano, Colakraut (Eberraute) oder Liebstöckel. Einmal gekauft, lassen sich diese durch Ableger und Stecklinge weitervermehren und man hat viele Jahre Freude daran und spart, durch selbst getrocknete Kräuter oder frisch aus dem Garten geholt, eine Menge Geld über die Zeit.

Die zweite Möglichkeit viel Geld zu sparen ist durch selbst geerntetes Saatgut. Das funktioniert bei Paprika, Tomaten, Gurken, Kürbisgewächsen und Bohnen (Erbsen, Puffbohnen, Kichererbsen, Linsen, Soja) sehr gut. Lässt sich aber auch auf viele weitere Gemüsearten ausdehnen, wenn man die Pflanzen extra für die Samengewinnung länger am Feld stehen bzw. überwintern lässt. Auch Gemüse aus dem Supermarkt kann so selbst wieder ausgesät werden – mal mit besseren, mal mit schlechteren Ergebnissen, da es sich manchmal um Hybriden handeln kann, die in eine andere Pflanze zurückschlagen oder unfruchtbar sind. Bei Paprikas hat es allerdings immer sehr gut funktioniert die Samen der Supermarkt Paprikas zu ernten und wieder auszusäen. Keimende Kartoffeln, die man nicht mehr essen mag, eignen sich als perfektes Saatgut, wenn man diese nicht auf dem Kompost entsorgen möchte.

Da die Selbstversorgung von Juni bis September in der Regel wenig Probleme macht und von den bekannten Gemüsesorten einiges auf den Teller kommt, ist es gerade im Winter etwas mager. Daher wurde hier besonders darauf geachtet Wintergemüse, das am Feld stehen bleiben kann, zu erwähnen: Grünkohl, alle Arten von Rüben, Pastinaken, Möhren und Schwarzwurzeln.

Frühkartoffeln kann man Ende März/Anfang April säen und nach der Ernte im Juli noch ein weiteres Mal anbauen. Oder man verwendet das leere Feld für Buschbohnen, Herbstrüben oder für Grünkohl der über den ganzen Winter am Feld stehen kann. Mit Kartoffeln hast du ein stärkereiches lagerfähiges Lebensmittel mit dem du gut durch den Winter kommst, sofern die Kartoffelernte gut gelagert wird. Alternativ einfach am Feld lassen ( Irische Methode) und an frostfreien Wintertagen ausgraben oder im Kübel mit Erde überwintern und in einen Schuppen im Freien lagern.

Frühreife Buschbohnen wie z.b. Saxa sind schon nach 60 Tagen erntereif und sie können gleich 2x hintereinander abgebaut und bis Saisonende am Feld stehenbleiben. Das ergibt ne richtig große Ernte an grünen Bohnen. Diese enthalten zudem auch noch Eiweiß und sind sehr wertvoll und gesund. Kletterbohnen und Stangenbohnen nehmen mit Vorliebe auch gerne Randbezirke im Garten in Beschlag und klettern auf Rankgitter und Zäune. Die getrockneten Bohnen sind lange haltbar und können auch als Saatgut wieder verwendet werden.

Grünkohl oder Krauskohl wächst sehr unkompliziert und braucht im Gegensatz zu anderen Kohlarten kaum Pflege. Während Brokkoli eher anspruchsvoll ist und Blumenkohl und Kohlsprossen vergleichsweise wenig Ertrag liefern, kann man die Blätter vom Grünkohl laufend ernten. Krauskohl bleibt auch im Winter am Feld und versorgt dich mit Nährstoffen. Er wird sogar erst richtig gut, wenn er Frost abbekommen hat und mit 40g Eiweiß pro kg und ungesättigten Fettsäuren, ist Grünkohl ein Alleskönner. Um auch schon im Frühjahr Kohlgemüse ernten zu können, bietet sich der Spargelkohl an, der ebenfalls am Feld überwindert.

Mehrjährige Kohlsorten: Ewiger Kohl (Baumkohl) und Meerkohl (ähnlich Brokkoli) können über Stecklinge vegetativ vermehrt werden. Du ersparst dir dadurch den Anbau von Weißkraut, Spitzkohl, Wirsing und Brokkoli. Ewiger Kohl kann über mehrere Jahre hinweg geerntet werden, ist winterhart, wird dazwischen stets über Stecklinge weitervermehrt. Ebenso wird er gerne immer wieder zurückgeschnitten damit der nicht so hoch wächst und neue Seitentriebe bildet. Geerntet werden wie beim Grünkohl die einzelnen Blätter was natürlich Abfall reduziert und man nur so viel erntet wie man gerade benötigt.

Pastinaken sind schon seit der Antike bekannt und sehr anspruchslos. Sie erinnern etwas an Karotten welche sich auch zum Anbau anbieten würden.

Bei den Blattgemüsen ist Spinat zu nennen. Dieser wächst bei Hitze im Sommer leider sehr schnell aus und ist nicht die beste Wahl. Ersetze Spinat einfach durch Brennessel, die wächst oft sogar kostenlos im gut gedüngten, stickstoffreichen Garten und pflanz etwas Mangold an. Die Stiele vom Mangold sind ein kostengünstiger Ersatz für Spargel und die Blätter können zu Spinat verarbeitet werden. Zudem ist Mangold sehr ausdauernd und ertragreich. Auch eine Alternative wäre Winterportulak. Dieser säht sich immer wieder selbst aus und braucht nur geerntet zu werden.

Zucchini aller Art wachsen sehr anspruchslos und liefern hohe Erträge den ganzen Sommer hindurch. Auch wenn sie sich am Saisonende noch eine Zeit lagern lassen, pflanze zusätzlich für den Wintervorrat Hokkaido oder andere Kürbisse und Ölkürbisse. Ölkürbisse sind essbar haben aber eher einen rustikalen und nicht ganz so feinen Geschmack. Sie liefern dir aber Kürbiskerne ohne harter Schale, die sich perfekt zum Rösten anbieten und umgehend gegessen werden können. So nimmst du das wertvolle Kürbiskernöl in Samenform zu dir, gönnst dir Eiweiß und Ballaststoffe obendrein und es reichen schon 1-2 Eßlöffel am Tag. Kürbissuppe mit gerösteten Kernen als Topping ist ein sättigendes und preiswertes Kürbis-Wintermenü. Die Kürbiskerne anderer Sorte wie von Hokkaido sind hart und besitzen außen eine Schale. Das macht sie unattrakiv und sie sind teilweise leider ungenießbar.

Salatgurken und Tomaten wachsen ausgesprochen gut und sind bei minimaler Pflege sehr ertragreich. Wenige Pflanzen decken schon den Sommerbedarf. Bei Tomaten bietet es sich an Tomatensoße zu machen und diese einzukochen oder einzufrieren und zu bevorraten. Eine weitere interessante Kultur für vertical gardening ist Chayote. Diese sehr ertragreiche und einfach zu kultivierende tropische Frucht ist ab November vor dem ersten Frost erntereif und kann bis ins Frühjahr im dunklen, kalten Keller gelagert werden. Geschmacklich erinnert Chayote an Kürbisgewächse wie Zucchini oder Gurke, manche sagen auch etwas wie Kohlrabi. Bei guter Kultur bringt eine Pflanze zwischen 50 und 250 Stück Chayoten, wobei eine Frucht um die 300g wiegt. Mit Winterschutz (Reisig, Laub, Mulch) und einem geschützten Platz, kann die Pflanze überwintern und neu austreiben. Alternativ: Winterquartier indoor, Keller, Wintergarten. Frische Chayote gibt’s im gut sortierten Asia Laden. Einfach die ganze Frucht in einen Blumentopf mit Erde stecken. Die Chayote Frucht bildet von selbst ab einer gewissen Zeit Wurzeln und treibt aus. Nicht vor Mitte Mai ins Freiland. Eventuell ist eine Vorkultur ab März/April sinnvoll, da Chayote bei warmer Lagerung innerhalb von zwei Wochen Wurzeln bilden soll.

Bei Gurken habt ihr die Möglichkeit neben Schlangengurken, Freilandgurken und Einlegegurken auch Luffa-Gurken anzubauen. Ebenso gibt es russische und indische Gurken (braune Netzgurken), die sich für Selbstversorger wegen der langen Lagerung und einer gewissen Kältetoleranz anbieten könnten.

Pflücksalat bringt zwar keinen Kaloriengewinn, wächst aber recht gut das ganze Jahr lang und verfeinert Salate ungemein. Auch im Winter am Fensterbrett oder im Frühbeet lassen sich Asia Salate und Pflücksalate anpflanzen. Gekeimte Sprossen benötigen nicht mal Erde oder einen Garten und können ganzjährig gegessen werden. Das sollte man immer noch als Backup im Hinterkopf behalten. Gekeimte Sprossen sind auch eine Not-Ration während einem Blackout oder einer anderen Katastrophe, wenn man in einem Innenraum Nahrung beschaffen muss. Etwas Wasser und getrocknete Samen in einer Schale reichen hierfür völlig aus und in ein wenigen Tagen gibt es frisches gesundes Grün am Teller.

Schwarzwurzeln können über Winter am Feld bleiben und werden je nach Bedarf geerntet. Sie können sogar bis zu 4 Jahre wachsen ehe sie zu blühen beginnen.

Rettiche sind im Gegensatz zu Radieschen ertragreicher und gehen nicht so leicht in die Blüte. Es gibt weiße Rettiche und schwarzen Rettich (Winterrettich). Rettich kann, mit Auswahl der richtigen Sorten, praktisch ganzjährig gezogen werden.

Sehr ertragreich sind Rote Rüben, Gelbe Rüben und Stoppelrüben. Sie bleiben ebenfalls am Feld und werden bei Bedarf geerntet. Kohlrüben erreichen ein Gewicht von fast 1kg, davon genügen ein paar Exemplare um einige herzhafte Speisen im Winter zuzubereiten und der Anbau ist so leicht wie bei jeder anderen Rübe auch. Einfach Saatgut auf’s Feld streuen und etwas angießen.

Der Anbau von Zwiebel und Knoblauch ist ebenfalls denkbar einfach. Allerdings werden von Zwiebeln rund 200-300 Pflanzen benötigt, wenn man damit über’s ganze Jahr kommen möchte. Das ist hier die kleine große Herausforderung. Man braucht echt viel Platz, kann ihn allerdings zum Einfassen von Beeten und neben Wegen anpflanzen. Setze Zwiebeln in Linie und nicht in Reihen. Hierfür eignet sich besonders der Winterheckenzwiebel mit dem du recht zügig deine Wege und Beete mit essbarer Einfassung versehen kannst.

Hat man genug Platz und Saatgut vom klassischen Zwiebeln, weil selbst vermehrt – Go! Bei Steckzwiebeln stellt sich wiederum die Frage der Wirtschaftlichkeit weil diese im Vergleich zu gekauftem Zwiebel in Relation nicht gerade viel billiger sind. Denke besser gleich an Winterheckenzwiebeln oder Etagenzwiebeln (ägyptische Zwiebeln, Luftzwiebeln), diese sind winterhart und mehrjährig und bleiben am Beet stehen und vermehren sich automatisch von selbst. Wir wollen es ja möglichst einfach haben. Bei den Etagenzwiebeln, die Luftzwiebeln statt Blüten bilden, ist es besonders einfach diese zu vermehren. Einfach die Brutzwiebel an eine neue Stelle verpflanzen und weiterwachsen lassen. Jeder Teil der Zwiebel ist übrigens essbar.

Apropos einfach: wenn du Zwiebeln in der Küche verwendest, entferne beim Zwiebelschneiden den unteren Teil. Doch statt auf den Kompost setzt du ihn in ein Beet oder als Unterbepflanzung zu Obstbäumen. Der Zwiebelrest macht bald wieder eigene Wurzeln und treibt dann erneut grünes Laub aus. So hast du sofort kostenlos neue Zwiebelpflanzen durch den Garten Hack „regrowing your onions“.

Regrowing funktioniert bei einigen Gemüsearten und verschafft dir zumindest eine kleine Ernte, die du immerhin für einen Salat verwenden kannst. Dafür dass du den Wurzelteil von der Zwiebel sowieso weggeschmissen hättest, ein echt guter Trick dir nochmals eine kleine Ernte bzw. eigenes Saatgut zu gönnen, denn einige Gemüsearten beginnen nach dem Abschneiden oft mit einem Austrieb, der dann gleich in die Blüte geht. Mach das einfach bei Salat indem du ihn ein Stück über der Wurzel abschneidest anstatt ihn auszureißen und lasse ihn erneut austreiben und die Insekten die Blüten bestäuben.

Lass dein Gemüse blühen. Du ersparst dir das Anpflanzen von Blumen, denn dein Gemüse kann ebenso blühen, für dich und die Natur nützlich sein und dir am Ende erneut Samen schenken. Du wirst überrascht sein wie toll manche Gemüsesorten blühen können und dich mit unterschiedlichen Blütenfarben überraschen. Endivie blüht blau, andere Salate meist gelb wie auch der Grünkohl, der an Raps erinnert. Karotten blühen weiß in großen Dolden. Von den Kräutern blüht Schnittlauch violett und Borretsch macht schöne blaue Blüten, den man eigentlich nur für diese Blütenpracht anpflanzen sollte.

Beim Knoblauch ist es noch einfacher, einfach Zehen in die Erde stecken, fertig oder über eigenes Saatgut (Samen) vermehrte Bulbillen pflanzen. Eine 100%ige Selbstversorgung ist bei Knoblauch definitiv möglich. Dafür reichen schon 50-150 Knoblauchzehen oder Knoblauchpflanzen, die du schon ab Oktober/November einfach in die Erde stecken kannst. Am besten österreichischen Knoblauch nehmen, denn dieser ist garantiert winterhart. Im Frühjahr kräftig düngen und im Sommer Knollen ernten. Das grüne Knoblauch-Laub kann zudem jederzeit gegessen werden.

Hier findest du noch mehr Ideen und Anregungen für Gemüse, das du in Permakultur ziehen kannst.

Klimawandel-Gemüse:

  • Süßkartoffel
  • Cardy/Artischocke
  • Prärielilie (Camassia quamash)
  • Dahlie
  • Erdmandel
  • Erdkastanie
  • Oca
  • Spargel
  • Yam
  • Yacon
  • Knollenziest
  • Topinambur
  • Zuckerwurzel

Wasserversorgung im Garten

Die Wasserversorgung ist ein zentrales Thema, besonders im Klimawandel. Hier ist vorallem die Versorgung der Pflanzen gemeint. Stell unter jeder Dachrinne ein Regenfass auf und sammle Regenwasser. Das ist zur Zeit noch kostenlos und du benötigst nur eine Gießkanne um deinen Garten zu wässern. Falls das Fass etwas höher steht, reicht sogar nur ein Schlauch, der am Hahn montiert wurde, und schon kannst du deine Pflanzen gießen.

So sammelst du immer ausreichend Wasser und bist auch während Dürreperioden versorgt. Selbst wenn du einen Hausbrunnen nutzt, musst du das Wasser mit einer Pumpe fördern und diese verbraucht Strom, im besten Fall selbst erzeugten Solarstrom.

Eine preiswerte Wasserpumpe mit durchschnittlicher Leistung verbraucht ca. 800 Watt in der Stunde. Wenn du von Mai, Juni, Juli bis August jeden 3.Tag also rund 10 Tage im Monat, für jeweils 1h gießt, ergeben sich 40 Tage x 1h x 800 Watt = 32 Kwh Strom zu rund 30 Cent (Stand Juni 2022) ~ 10 Euro.

Oft wirst du aber öfter gießen müssen, manchmal auch täglich, wenn es besonders heiß ist. Jungpflanzen müssen ebenfalls öfter gegossen werden. Im schlimmsten Fall, der Klimawandel kommt noch hinzu, gießt du ganze 120 Tage lang und es ist nicht gesagt, dass der Strompreis nicht ebenfalls Dank Inflation noch weiter steigen wird. Dann macht das bisserl Wasser für den Garten schon mal 30 Euro aus und das in nur einer Gartensaison.

Kommt das Wasser nicht vom Hausbrunnen sondern von der Wasserleitung sind das mal 1000L/h (Annahme Verbrauch 1000L Wasser pro Stunde)  also 40.000 Liter bzw. 120.000 Liter oder 400hl bzw. 40m³ bzw. 1200hl/120m³ bei rund 3 Euro/m³ (Stand Juni 2022) sind das ein sattes Plus von 120 Euro bzw. 360 Euro.

Noch interessanter ist es hier dann schon zu überdenken die Toilettenspülung durch Brauchwasser, Regenwasser zu ersetzen und kostbares Trinkwasser zu sparen, wenn die Preise weiter in die Höhe klettern.

Eine Zeitschaltuhr und eine automatische Bewässerung ist ebenfalls eine Möglichkeit Geld zu sparen auch wenn diese und das Gießen selbst erstmal Geld kostet. Aber auf lange Sicht ist es möglich Jungpflanzen vor dem sicheren Hitzetod zu retten und mehrere Teile des Gartens gleichzeitig zu bewässern. Selbst dann wenn man tagsüber im Job beschäftigt ist und gar keine Möglichkeit hat zu gießen. Die Kosten und Mühen der geretteten Pflanzen und das regelmäßige Gießen machen sich bei den Erntemengen am Ende wieder bezahlt.

Der Vorteil von Obst- und Beerensträuchern ist, dass diese kaum gewässert werden müssen und auch schon mal gut ganz ohne zusätzliches Wasser auskommen können. Dies sollte man auch hier beim Thema Gießen nochmals erwähnen.

Klimawandel-Tipps zum Wassersparen im Garten und naturnahe Gärtnern:

  • Grabe Ollas ein, also ungebrannte Tongefäße, die langsam Wasser an die Wurzeln der Pflanzen in der Umgebung abgeben. So sparst du dir zu häufiges Gießen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Hanfseil und ein Wasserkübel. Das Hanfseil saugt das Wasser an und versorgt so Pflanzen mit Feuchtigkeit. Diese Tröpfchenbewässerung ist eher eine Not-Bewässerung wenn man ein paar Tage in Urlaub ist um Balkonpflanzen zu versorgen, funktioniert aber auch im Garten. Alte Küchenschwämme in einem Blumentopf halten auch Wasser ebenso die Bodenverbesserung mit Perlit, Bentonit, Kieselgur oder ein Wasserspeicher-Granulat diverser Hersteller, das auch für Freilandanbau geeignet ist.
  • Mulche: Rindenmulch (und Häckselmaterial, Hackschnitzel) mit seinem hohen Kohlenstoff-Gehalt entzieht dem Boden Stickstoff beim Verrotten, bindet aber Wasser und hält den Boden länger feucht. Hanfschäben eignen sich ebenso zum Mulchen. Flachsmulch hat denselben Effekt, kann aber Schnecken beim Kriechen behindern und hält die Beete mehr oder weniger schneckenfrei. Rasenschnitt wiederum hat hohen Wassergehalt und vorrangig Stickstoff und ergänzt diese Mulch-Strategie.
  • Feuchtgebiet: ein Teich oder ein mit Steinen ausgelegtes Rinnsal bei einer Dachrinne, das in ein kleines Feuchtbiotop mündet, verbessert das Mikroklima im Garten und zieht Insekten, Schmetterline, Libellen und Nützlinge an. Es ist weniger zum Gießen gedacht als dass es als Wasserquelle für Tiere dient und beim Verdunsten die Umgebung etwas kühlt. Es kann und darf auch austrocknen. Bei Starkregen wird es automatisch wieder gefüllt. Regentonnen und Wasserfässer (mit einem Holzstück das an der Oberfläche schwimmt, damit Insekten wieder entkommen können) erfüllen einen ähnlichen Effekt und bieten Insekten die Möglichkeit an Wasser zu kommen. Tipp: Etwas Öl an der Wasseroberfläche verhindert dass Gelsen und Steckmücken Larven überleben, da sie durch den Luftabschluss keinen Sauerstoff bekommen. Verbreiten sich durch den Klimawandel mehr und gefährlichere Mückenarten in Europa, werden stehende Gewässer (Regentonne, Wasserkübel, Gartenteich, ggf. Überschwemmungsgebiete nach Starkregen) zunehmend zum Problem und eine nachhaltige Bekämpfung könnte wichtig werden.
  • Beschatte den Boden: das kann einerseits durch Gerüstschutzgitter/Vogelschnutznetze (lassen nur 50% Licht durch) oder durch Sonnensegel aus Stoff geschehen, die an Stangen angebracht werden. Beides kann flexibel im Garten aufgestellt werden und bei Bedarf erweitert oder entfernt werden. Die aggressive Mittagssonne wird auf diese Weise stark abgeschwächt, auch wenn sich an der Außentemperatur nichts ändern lässt. Lokal bewirkt das Beschatten doch einiges, da es vor Austrocknung und Sonnenbrand der Blätter und die Beschattung generell empfindliche Pflanzen schützt. Die zweite Möglichkeit des Beschattens sind Bäume und Sträucher. Gepflanzte Bäume sind im Garten zwar nicht mehr mobil wie die genannten Sonnensegel aber man kann in deren Schatten durchaus vor Sonne geschützt Gemüse anbauen. Über den Tagesverlauf kann und soll der Schatten sogar wandern, sodass der Bodenbereich mal mehr und mal weniger Licht abbekommt. Schatten hält zudem den Boden feucht. Ergo sollte nach Square Foot Garden Prinzip möglichst dicht bepflanzt werden damit der Boden unter den Gemüsepflanzen stets dunkel und feucht bleibt.
  • Gehwegplatten: Steinplatten und Betonplatten als Wege zwischen den Beeten mögen zwar verpönt und wegen ihrer Herstellung sogar klimaschädlich sein. Dennoch hält sich unter den Platten erstaunlich viel Feuchtigkeit, da diese nicht so leicht verdunsten kann. Die Wurzeln von Bäumen und Sträuchern finden so immer noch Wasser auch wenn die oberste Erdschicht in der näheren Umgebung bereits ausgetrocknet ist.
  • Kraterbeet: eine Kombination aus den genannten Methoden ist das Kraterbeet. In der Mitte, dem tiefsten Punkt, der 20-40cm unter dem Gartenniveau liegt, kommt ein Feuchtgebiet bzw. die Pflanzen hinein, die am meisten Wasser benötigen. Dann folgen Gemüse, weiter oben am trockenen Hang Kräuter und am Rand des Kraterbeetes blühende Blumen, Sträucher und Stauden, die den Wind und damit die Austrockung durch den Luftzug abmildern sollen. Eine weitere Möglichkeit wären sunken beds. Ein sunken bed ist also genau das Gegenteil eines Hochbeetes. Die Pflanzen befinden sich unter dem Bodenniveau und im Sunken bed wird Wasser besser genutzt und Wind trocknet das Beet nicht gleich aus.
  • Trockenmauer: auch eine unregelmäßig verlegte Steinmauer mit Lücken zwischen den Steinen und kleinen Pflanzsteinen, die ab und zu an der Mauer angebracht werden in der Beerensträucher, Kräuter und Gemüse Platz finden, dient Reptilien wie Eidechsen und Schlangen als Wärmequelle und Lebensraum. Zudem bremst die Mauer Wind und fungiert ähnlich wie ein Kraterbeet. Wird die Mauer etwas höher gezogen und an der richtigen Stelle platziert, kann sogar ein kleiner Schatten von ihr geworfen und genutzt werden. Zudem bietet sich eine Mauer, auch wenn sie nicht hoch ist, stets für vertikales Gärtnern an. Man kann so eine Steinmauer mit Rippenstahlstangen oder einem Rankgerüst aus Holz erweitern und so so eine grüne Wand aus Gurken, Kiwis, Trauben oder anderen Rankpflanzen bauen. Dieser natürliche Sichtschutz kann den Garten optisch abtrennen und gleichzeitig den Wind aufhalten. Füllt man eine Seite der Mauer mit Erde auf, dient sie als leicht abfallendes Beet. Zuckererbsen können etwa am Rand so einer Kante oder einem Hochbeet oder einer Ziegelmauer herabwachsen und müssen nicht zwingend nach oben wachsen. Werde kreativ bei den Bepflanzungsmöglichkeiten.
  • Benjeshecke: Eine Totholzhecke dient ebenfalls zur Abgrenzung des Gartens, kann aber auch in einer wenig genutzten Ecke errichtet werden. Ähnlich einem Insektenhotel dient die Benjeshecke Insekten und Kleintieren als Rückzugsort und hilft dabei Nützlinge im Garten anzusiedeln. Große Holzstücke von Bäumen wie Wurzelstöcke und Stämme können im Garten unter Spalierobst, Bäumen und zwischen Sträuchern verteilt werden, wie sie eben auch im Wald anfallen würden. Große Holzteile verrotten sehr langsam, bieten aber Unterschlupf und Schatten für kleine Tiere und Insekten. Natürlich bleibt der Boden unterhalb solcher Bereiche meistens auch länger feucht als die sonstige Umgebung.

Kompost, Dünger und Hochbeete für den Selbstversorger Garten

Von Küchenabfällen, Haustierabfällen bis unbedruckter Kartonage lassen sich alle Arten von Biomüll kompostieren. Und ja zwei oder mehr Komposthaufen zu haben, sind nicht zu viele. Du solltest immer zumindest einen Komposthaufen haben, der rasten und reifen kann und einen, der laufend frisch befüllt wird.

Fallen größere Mengen an Ästen beim Baum- und Strauchschnitt an, wäre auch der Bau eines Hochbeetes eine Überlegung wert. Liegen noch irgendwo alte Ziegel oder Betonsteine im Garten herum? Perfekt denn, wenn in ausreichender Menge vorhanden, ist ein DIY Hochbeet schnell aufgebaut. Unten kommen Zweige, Äste, Reisig und jede Menge grober schwer kompostierbarer Grünschnitt rein. Dann folgt Gartenerde und obendrauf frische aber reife Komposterde. Der Bau rentiert sich meiner Meinung nur, wenn all diese „Zutaten“ vorhanden und entbehrlich sind. Ein Hochbeet ist im Grunde auch nichts anderes als ein Hügelbeet wie man es aus der Permakultur kennt.

Tipp: Plane den Bau deiner Hochbeete im Frühjahr am Besten so ein, wenn dein Mistplatz oder deine Gemeinde wieder mal eine Gratis-Kompost-Aktion hat (meist im April) und du dir so viel Kompost mitnehmen kannst wie du tragen kannst.

Alternativ dazu solltest du im Frühling sowieso deinen eigenen Komposthaufen öffnen und den reifen Kompost rausschaufeln. Ein neu angelegtes Hochbeet ist die perfekte Gelegenheit deinen Kompost zu nutzen. Und zwar kommt der Kompost nur auf die oberste, letzte Schicht deines Hochbeetes.

Rotiere ggf. auch mit deinen Hochbeeten und schaufle die Erde von einem älteren Hochbeet in ein frisch angelegtes Hochbeet um. Du wirst feststellen, dass in den tieferen Schichten, wo sich sonst die groben Äste befanden, bester Kompost entstanden ist und sich die Biomasse wunderschön zersetzt hat. Meist dauert der Vorgang ein paar Jahre und auf diese Weise sparst du dir das unnötige Entsorgen von Grünschnitt und kannst alles im Garten selber weiter nutzen. Und weil sich der Grünschnitt so toll mit der Zeit zersetzt, rate ich von Holz als Material für Hochbeete dringend ab, außer es hat nichts gekostet und es ist egal dass das Hochbeet nur eine begrenzte Zeit halten wird. Denn mit der Zeit wird das Holz vom Hochbeet ebenfalls kompostiert und zersetzt. Die Anschaffung eines hübschen, teuren Hochbeetes rentiert sich daher nicht und ist reine Geldverschwendung auch wenn es hübsch aussieht.

Hochbeete sind aber nur für bestimmte Gemüsesorten optimal, etwa um Schnecken fernzuhalten oder um z.b. Salate leichter ernten zu können. Robuste Gemüsesorten wie Zucchini oder Rüben, Grünkohl oder Kartoffeln können bedenkenlos in den normalen Gartenboden gepflanzt werden. Das spart den Aufwand und die Kosten ein Hochbeet zu bauen und Hochbeete sind zum Anbau robuster Gemüsearten nicht zwingend notwendig.

Holzasche, die beim Grillen oder Heizen anfällt, ist ebenfalls ein guter Dünger für deine Beete. Allerdings solltest du diese sparsam einsetzen. Stichwort Terra Preta. Wenn du auf der Suche nach einem schnell wirksamen Flüssigdünger bist, stehen dir Pflanzenjauche (Brennesseljauche) und sogar die umstrittene Urin-Düngung (Urin als Dünger) zur Verfügung, wenn du nicht davor zurückschreckst. Das flüssige Gold ist nachhaltig und ressourcenschonend, mit einem Universaldünger vergleichbar und eignet sich besonders für Obstbäume und Beerensträucher. Robuste Starkzehrer lassen sich damit gut düngen, ich denke hier an Kürbispflanzen. Wer eher skeptisch ist kann damit bedenkenlos Blumen und Blühpflanzen düngen. Doch immer 1:10 bis 1:20 verdünnt verwenden. In wenigen Tagen sind schon erste Erfolge sichtbar. Sehr empfehlenswert ist auch Kaffeesatz. Er enthält viel Stickstoff, Phosphor und Kali und macht den Boden leicht sauer. Kaffeesatz kann trocken in den Boden eingearbeitet oder mit Wasser verdünnt, mit der Gießkanne ausgebracht werden.

Pflanze nur an, was du auch verwerten kannst

Selbstversorgung nimmt viel Zeit in Anspruch, sowohl der Anbau der Pflanzen als auch die Ernte und die Verarbeitung. Um Ressourcen zu schonen und nachhaltig zu handeln, sollte daher achtsam mit dem Erntesegen umgegangen werden. Was oft nicht bedacht wird ist, dass Pflanzen einfach zu schnell und zu viel fruchten und man mit der Erntemenge überfordert oder durch Zeitmangel schlichtweg nicht in der Lage ist zu ernten.

Ungenutztes Obst von Beerensträuchern und Obstbäumen wird teilweise von Vögeln verwertet oder fällt ungenutzt zu Boden und verrottet. Das ist schade und pure Verschwendung. Es gibt einen kleinen Trost, denn dadurch wird der Boden unter dem Baum gedüngt und Bodenlebewesen, Würmer und Insekten bekommen etwas Nahrung.

Tipp: sammle doch das überschüssige Obst und verschenke es an Nachbarn im Ort. Lebe nachhaltig, ressourcenschonend und wertschätzend deinen Nachbarn und deiner Umwelt gegenüber und sei ein Vorbild für andere es dir gleich zu tun. Oft reicht schon ein Tisch vor dem Haus mit der Aufschrift: „zur freien Entnahme“, „Gratis“ oder „zu verschenken“ und der Nachbarschaftsaustausch wird angeregt. Helfen wir uns gegenseitig. Wer nicht selbst ernten kann oder möchte, kann ja zur Selbsternte aufrufen (z.b. Facebook Gruppen wie Share and Care) oder eine kleine Veranstaltung in eigener Sache machen z.b. Weinlese-Fest in der Nachbarschaft. Dir fallen sicher noch andere Ideen ein. Werde kreativ. :-))

Obst Kulturen sind mehrjährig und der Aufwand sie zu pflegen ist bis auf einen Schnitt hin und wieder und der Ernte minimal. Oft müssen sie nicht mal gegossen werden und liefern jedes Jahr gute Erträge. Bei Gemüse ist es anders und es wäre schade, wenn der ganze Pflegeaufwand und die Stunden der Bewirtschaftung und des Gießens zu Nichte gemacht werden, weil du deine Ernte letztendlich nicht verwerten konntest. Dann hast du am Ende gar nichts gespart und musst im schlimmsten Fall erst wieder zum Supermarkt gehen und einkaufen.

Planung des Selbstversorger Gartens

Natürlich kann man bei der Planung des Selbstversorger Gartens auch parallel mehrere Dinge gleichzeitig angehen. Das kommt aber auf die Jahreszeit und die persönlichen Ressourcen wie Zeit, Geld und Motivation an. Im Idealfall startest du mit der Selbstversorgung im Spätsommer/Herbst. In dieser Jahreszeit, wenn gerade geerntet wird und noch die Tomaten prall und rot am Tomatenstrauch hängen, denkt normalerweise niemand daran mit der „Aussaat“ wieder zu beginnen. Doch jetzt ist die beste Zeit. Wir müssen umdenken, denn Selbstversorgung heisst Wintergärtnern und diese Jahreszeit perfekt zu nutzen.

Also beginnst du damit Grünkohl anzupflanzen, 50-100 Pflanzen sind für eine Familie nicht zu viel, auch wenn oft von ein paar wenigen Pflanzen pro Person geschrieben wird. Du säst Gartenkresse, Asia Salate, Pflücksalate, Winterrettiche und Karotten ins Freiland. Bist du dir unsicher, nutze ein Frühbeet für die Salate. Asia Salate lachen über Frost und Schnee, brauchen aber Zeit zum Wachsen und daher solltest du früh mit der Aussaat beginnen. Im August werden Herbstrüben angebaut und wachsen den ganzen Winter hindurch, ebenso rote Rüben (rote Bete).

Winterheckenzwiebel und Knoblauch kommen jetzt auch ins Feld. Diese Zwiebelgewächse sollen dich zukünftig stets begleiten. Du pflanzt zumindest 150 Knoblauchzehen einer heimischen, winterharten Sorte. An Zwiebeln rechnest du mit 20cm Abstand zwischen den Pflanzen und rund 1000 Stück, da Heckenzwiebel ja viel kleiner sind als gewöhnliche Zwiebel, was ca. 200 Laufmeter an Zwiebeln in einer Reihe bedeutet. Alternativ kannst du auch Wintersteckzwiebel, Etagenzwiebel o.ä. verwenden. Samen der Heckenzwiebel sind vergleichsweise günstig und sie wachsen in Horsten, es macht daher nichts, wenn du sie großzügiger ausstreust und dann einfach wachsen lässt. 200 Laufmeter sind viel und ja von allen Gemüsekulturen werden die Zwiebeln auch den meisten Platz in Beschlag nehmen. Sie werden in der Küche allerdings auch sehr oft benötigt. Du umrandest alle Wege und Beete einfach mit Heckenzwiebeln was durchaus eine Herausforderung wird. Allerdings benötigen diese durch die einreihige Kultivierung nicht viel Platz, sprich sie nehmen keine großen Flächen auf einem einzelnen Gemüsebeet ein und begnügen sich mit Randbereichen und solchen Beetflächen wo ohnehin kaum was angepflanzt werden kann.

Die Beetpflanzung wäre aber auch eine Option. Ein 1 Meter breites und 5 Meter langes Beet fasst 25 Stück Zwiebel. Du würdest etwa 40 solche Beete, sprich 200m² Beetfläche, benötigen um deinen Bedarf darauf unterzubringen. Nimmst du große Gemüsezwiebeln, wirst du wohl nur 365 Stück (1 Zwiebel/Tag) benötigen und brauchst dann nur rund 1/3 der Fläche. Dennoch viel zu groß. Ich empfehle dennoch das Umranden von Wegen und Einfassungen und selbst wenn du den berechneten Bedarf nicht erreichst, wirst du zumindest zu einigen Prozent eine Selbstversorgung mit Zwiebeln hinbekommen und mit der Zeit wird sich die Pflanzung von selbst verdoppeln, wenn du sie wachsen lässt. Du musst dann nur noch zu enge Zwiebel umpflanzen oder ernten und essen.

Schritt 1: Perennials für deinen Food Forest

Im ersten Jahr pflanzt du Bäume, Sträucher und Beerenobst. Sie brauchen einfach länger bis sie in Vollertrag kommen. Dazu eignet sich der Herbst, denn viele Gartencenter und Gärtnereien haben im Herbst bis zu -50% Aktionen. So müssen sie die Pflanzen nicht durch den Winter bringen und bekommen die Ladenfläche leer für die neue Saison. Bäume, die du im Herbst setzt, können sich über Winter einwurzeln und blühen dann im Frühling und du kannst mit etwas Glück im kommenden Jahr das erste Mal ernten, natürlich abhängig von der Obstart, dem Pflanzschnitt und sonstiger Faktoren. Außerdem ersparst du dir das ständige Gießen, wenn du erst im Frühjahr oder Sommer pflanzen würdest. Denn im ersten Jahr muss sich der Baum erst einwurzeln.

Der Vorteil ist dass du einfach sehr viel mehr bzw. günstiger pflanzen kannst, allerdings auch mit dem Nachteil dass oft nur noch ein Bruchteil vom Pflanzensortiment verfügbar sein kann. Je nach Gartencenter können sich solche Baum-Aktionen bis März ziehen und man bekommt teilweise stark reduzierte aber kräftige Pflanzen für kleines Geld. In Onlineshops gibt es im Frühjahr oft Bundles und Aktionen wo mehrere Pflanzen im Set günstiger angeboten werden. Solche Aktionen für mehrjährige Pflanzen wie Beerenobst sind ein Hit, gerade wenn man viel neu begrünen möchte. Wie immer gilt hier der Tipp – achte auf die „richtige“ Obstsorte und kaufe nur was Sinn für dich macht. Spezialsorten und besondere Obstbäume werden besser in der Gärtnerei des Vertrauens, vom Profi direkt, bezogen und machen, wenn auch etwas teurer, einfach mehr Spass. Eine echt gute Obstsorte macht dir über viele Jahre Freude und der Platz im Garten ist optimal genutzt statt bei einer weniger guten Obstsorte vielleicht verschwendet und du denkst bald über eine Ersatzpflanzung nach.

Schritt 2: Mehrjähriges Gemüse

Sind mal die Perennials, die mehrjährigen Bäume und Sträucher, für deinen Food Forest gesichert, geht es an’s mehrjährige Gemüse. Rhabarber, Spargel, Ewiger Kohl, Etagenzwiebel, Heckenzwiebel, Topinambur, Schwarzwurzel, Cardy. Um nur einige zu nennen. Sinn macht hier nur, was winterhart ist und du auch regelmäßig verwendest. Der Vorteil von mehrjährigem Gemüse ist, dass du es einmal pflanzt und dann über lange Zeit ernten und selber vermehren kannst. Neben Zwiebel und Knoblauch bietet sich auch Lauch/Porree an um überwindert zu werden, er bildet im Frühjahr kleine Perlzwiebeln aus.

Schritt 3: Einjähriges Gemüse und Obst

Im letzten Schritt geht es an einjähriges Gemüse. Ich beschränke mich hier auf folgende Dinge: Kartoffeln, Bohnen, Rüben und Grünkohl. Der Ertrag bei Kartoffeln liegt bei ca 2-2,5kg/m², 1 Saatkartoffel pro 30-40cm, 4-6 Saatkartoffeln pro m², 400-600g pro Kartoffelpflanze. Der pro Kopf Verbrauch an Erdäpfeln liegt bei rund 60-70kg in Deutschland/Österreich. Bei vollständiger Selbstversorgung und hauptsächlicher Kartoffelkost kann man mit 200-350kg pro Person rechnen. Auf einer Fläche von etwa 30m² ( ein Feld mit 5m x 6m) können rund 60-75kg Kartoffeln geerntet werden. Für ein möglichst langes Erntefenster sollte man von März, April, Mai bis Juni anbauen und Folgesaaten von rund 20 Erdäpfel-Knollen durchführen. Der größte Anbau erfolgt Ende Mai bis Anfang Juni um über die Wintermonate zu kommen. Hier würde ich rund 80-120 Knollen einplanen. Insgesamt rund 200 Saatkartoffeln bzw. geteilte Kartoffeln mit Austrieben.

Mit frühreifen Sorten kann bei später Aussaat im Mai von September bis Ende Oktober vom Feld geerntet werden. Die Kartoffel kann auch im Winter frisch ausgegraben oder alternativ im Keller eingeschlagen werden. Kartoffeln, die im Boden verbleiben, können im nächsten Jahr wieder austreiben, wenn sie nicht verfaulen. In gewisser Weise wäre das dann eine mehrjährige Kultur.

Abgeerntete Kartoffelfelder können laufend mit Stoppelrüben, also Herbstrüben, und Grünkohl bepflanzt werden. Zu den bereits im Februar/März gesäten Pflanzen (man kann sie aber auch schon im Herbst säen) zählen die Puffbohnen, die winterhart sind und sich ab Juni ernten lassen. Sie sind wertvolle Eiweißlieferanten und getrocknet lange lagerfähig. Fisolen bieten sich für Zwischensaat an und Stangenbohnen als vertikale Begrünung.

Für Einsteiger geeignet ist auch die rote Rübe, die neben Mairüben im Frühjahr ausgesät werden kann und zuverlässig keimt.Grünkohl bleibt über Winter ebenfalls am Feld, kann im Frühjahr dann während der Kohlblüte nochmals beerntet werden und liefert ganzjährig köstlich zartes Kohlgemüse.

Sonstige Gemüsepflanzen erwähne ich hier nicht. Sie erfordern etwas mehr Pflege und Voranzucht und sind damit aufwändiger und kurzlebiger. Sprich der Input ist höher als bei den oben genannten Pflanzen, denn sie müssen oft mit Anzuchterde über Wochen indoor großgezogen werden und dürfen erst nach dem Abhärten und den Eisheiligen ins Freiland. Zum klassischen Sommergemüse zählen Tomaten, Paprika, Popcornmais, Gurken, Zucchini, Kürbis und Salat. Karotten, Radieschen/Rettich, Pastinaken und Erbsen sind ebenfalls robust und mit wenig Vorkenntnis leicht anzubauen. Allerdings brauchen Karotten und Pastinaken, ebenso wie Petersilie, mehrere Wochen zum Keimen und können entmutigen, weil man lange nicht weiß ob sie keimen und wieviele davon tatsächlich aufgehen werden.

Ein ambitionierter Selbstversorger wird natürlich noch Fenchel, diverse Kohlarten wie den beliebten Kohlrabi oder Weißkraut für selbstgemachtes Sauerkraut ins Auge fassen. Ich habe hier dem Grünkohl bzw. dem Ewigen Kohl den Vorzug gegeben weil dieser einfach zu pflanzen und zu beernten ist.

Der einjährige Sommergemüseanbau ist oft mehr Spielerei und Glückssache, da das Wetter und die Schädlinge einen großen Einfluss auf den Erfolg haben können. Gemüse muss durch Fruchtfolge, Mischkultur und Kulturmaßnahmen wie Schutznetze (Kohlweißling usw.) oder Schneckenfallen laufend geschützt und überwacht werden. Auch ist es mittlerweile ein gutes Geschäft geworden Jungpflanzen zu verkaufen. Kunden ersparen sich die aufwändige Anzucht in der kleinen Wohnung und können ihr Balkonbeet jedes Jahr zwar teuer aber dafür schön und bei Bedarf stets anders oder genau gleich bepflanzen. Für ältere Personen, die sich die langwierige Anzucht ersparen wollen oder für Leute, deren eigene Anzucht nicht erfolgreich war, bietet sich der Kauf von Jungpflanzen ebenfalls an. Oft wird der Jungpflanzenkauf auch als Backup benutzt, zwar nicht ganz freiwillig, aber es wird bereitwillig darauf zurückgegriffen, wenn die erste Aussaat den Nacktschnecken oder dem Frost zum Opfer fiel. Andernfalls gäbe es in dieser Gartensaison nämlich nichts zum Gärtnern.

Fazit Selbstversorger Garten

Mit kluger Pflanzstrategie kann sowohl beim Baumobst als auch beim Beerenobst eine nahezu ganzjährige Versorgung bewerkstelligt werden. Lediglich in den Monaten Jänner, Februar, März und April muss auf Lagerobst (bestimmte Apfelsorten, Hayward Kiwi) zurückgegriffen werden. Im Winter vor Weihnachten decken Kaki, Quitte und Mispel den Obstbedarf an Frischobst. Das Haltbarmachen von Obst in Form von Marmelade wäre möglich, ist aber nicht zwingend nötig, da stets andere Früchte reifen. Versuche daher Spitzen und Obstüberschüsse durch eine kluge Pflanzenwahl und Gartenplanung zu vermeiden. Es ist vorteilhaft pro Monat ein Erntefenster von ca zwei verschiedenen Obstbäumen zu haben, auch unterschiedliche Sorten der gleichen Obstart aber mit unterschiedlicher Obstreife ist anzudenken, eine Sorte reift im Juli und die zweite im September. So kann man die Ernte laufend verwerten ohne große Mengen haltbar machen zu müssen oder zu verschenken. Bedenke außerdem, dass es nicht zielführend ist ständig Marmelade einzukochen, wenn laufend neues Obst reif wird, denn irgendwann sollte auch die Marmelade konsumiert werden. Selbstversorgung mit Obst ist durchaus möglich und kann bei gutem Ertrag sogar den Eigenbedarf bei weitem übersteigen.

Selbstversorgung mit Gemüse ist schwieriger, denn Gemüse ist vorallem eine einjährige Kultur und erfordert Planung, Überwachung und ständige Eingriffe. Um sich möglichst viel Gartenarbeit zu ersparen sollte man auf mehrjähriges und winterhartes Gemüse und einfache, robuste Kulturen zuerst setzen. Diese bilden den Grundbaustein für die Selbstversorgung. Es gilt hier der Grundsatz: Baue an womit du oft und viel kochst. Wie oben erwähnt beginnst du zuerst mit Knoblauch und Zwiebel, sehr vielen Zwiebeln.

Erst wenn eine Grundversorgung bewerkstelligt wurde, vorallem mit Kohlenhydraten aus Kartoffeln und pflanzlichem Eiweiß aus Leguminosen, kann über zusätzliches Beilagengemüse und Salatpflanzen nachgedacht werden. Die Milpa wäre hier als kultur-historischer Baustein zu nennen – Mais, Bohnen und Kürbisse. Mit diesen drei Gemüsearten läßt sich definitiv eine gute Grundversorgung herstellen. Alle drei sind zudem über längere Zeit haltbar und selbst Kürbisse, wenn gut ausgereift, können bis April des nächsten Jahres gelagert werden.

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