Ribiselwein WTF

Ribisel rote Johannisbeere Hindberry FruchtweinLustigerweise wurde beim letzten Wochenmarkt sogar nach einem ****** Ribiselwein (*Hersteller wird nicht genannt) nachgefragt. Ob ich soetwas dabei hätte und verkaufen würde.

Hindberry Fruchtwein

****** Ribiselwein. Wer ihn nicht mehr kennt, das war und ist der Inbegriff des Ribiselweins in Österreich bis heute. Ein klassischer süßer Beerenwein mit wenigen %Vol. Alkohol. Das Fehlen von Kohlensäure im Vergleich zum heute bekannten Cider lässt den süßen Ribiselwein klebrig und matt wirken. Er lässt sich aber mit Soda oder Mineralwasser gut aufspritzen.

Dieser Ribiselwein wurde damals (sicher vor gut einigen Jahrzehnten) in Literflaschen verkauft. Die Marke ist mittlerweile schon lange nicht mehr erhältlich. Doch der Name hält sich weiterhin eisern. Das verklärte Bild und die Bekanntheit in der Bevölkerung sind geblieben. Ähnliche Produkte sind aber heute noch erhältlich, nur von anderen Firmen.

Ein Erbe an dem Hindberry Fruchtwein schwer zu tragen hat wie es scheint. Denn auch damit muss man sich befassen, wenn man Fruchtwein verkaufen möchte – mit der Konkurrenz, der lebenden und der untoten, die noch immer in den Köpfen herumgeistert.

  • Ihr dürft gerne Kommentare zum Thema Ribiselwein hinterlassen – persönliche Erfahrungen oder was Ihr auch immer darüber zu berichten habt!

Ich wollte niemals diese Art von Fruchtwein produzieren und meine Produkte ganz bewusst von der Machart der Konkurrenz abgrenzen, geschmacklich, optisch und qualitativ. Denn irgendwo muss man sich positionieren und seine eigene Philosophie entwickeln. Die Konkurrenz wird schon was richtig machen, denn sie hat ihr bestehendes Marktsegment und ihre Kunden.

Ich produziere in der Kategorie Fruchtdessertwein, ein Segment das von kaum wem bedient wird, und noch dazu in Form von Assemblagen um meinen Kunden ein vielschichtiges und genussvolles Geschmackserlebnis zu bieten. Meine ganz persönliche Sichtweise von Fruchtwein.


Was ist der Unterschied zwischen Fruchtwein und Fruchtdessertwein?

Fruchtweine haben einen Gesamtalkoholgehalt von max. 13%Vol. (vorhandener Alkohol + Restzucker in Alkohol umgerechnet). Sie werden aber in der Regel mit 5-8%Vol. und süßlich hergestellt, wobei kaum jemand trockene Fruchtweine produziert. Wäre möglich, tut nur (fast) niemand. Ok es gibt trockene Apfel- und Birnenmoste 😉 aber diese sind meist auch nicht als Wein in Verwendung sondern eher als Durstlöscher.

Fruchtdessertweine dagegen verfügen über mind. 13%Vol. vorhandenen Alkohol und sind sehr kräftig. Mehr Frucht, mehr Körper, mehr Geschmack und damit keine Schankware sondern tatsächlich für Genießer. Sie erinnern in ihrer Gesamtheit an Liköre, nur eben nicht so süß und sind meist sehr vollmundig.


Ich habe lange recherchiert. Wer produziert heutzutage in Österreich noch Ribiselwein? Wieviel Konkurrenz gibt es in dieser Branche überhaupt?

Es sind ganz vereinzelt Kleinstproduzenten, meist Bauern mit lokaler Bekanntheit. Die meisten größeren und bekannteren Hersteller, die den Handel belieferten, haben die Produktion mittlerweile aus mangelnder Nachfrage, so heisst es, eingestellt. Ein einziger (der mir bekannt ist) ist übergeblieben und verkauft auch ins Ausland. (kein Anspruch auf Vollständigkeit) Für solche Getränke gibt’s wohl keinen Markt mehr in Österreich wie es scheint oder nur einen sehr kleinen. Hauptsächlich wird an die Gastronomie verkauft. Dadurch bleibt der Raritätenfaktor und das verklärte Bild an die Vergangenheit für jene, die sich noch daran erinnern können.

Ribiselwein – Das verklärte Bild

Ribiselwein findet literarische Erwähnung in Heimito von Doderer’s Strudelhofstiege und Rezepte zur Herstellung findet man noch vereinzelt in bäuerlichen Kochbüchern. Johannisbeeren, bzw. die in Österreich als Ribiseln bezeichneten Beeren, reifen zum Johannistag, dem 24.Juni, von dem sie auch ihren Namen haben. Der Johannistag ist übrigens auch das Datum um den herum grüne Nüsse für Nusslikör gesammelt werden sollen.

Die roten Beeren werden gestampft bis sie Brühe gezogen haben und mit Zucker und Wasser übergossen und vergoren um Hauswein herzustellen. In manchen Fruchtweinbüchern steht sogar, dass die Ribisel für den Hausweinbereiter und Fruchtweinhersteller wäre wie die Traube für den Winzer. Ribiselwein als ur-traditioneller Fruchtwein sozusagen.

Doch der Unterschied zur Traube könnte größer nicht sein. Aus roten Ribiseln lassen sich nur durch exzessive Verdünnung trockene körperlose Getränke herstellen, die so gar nichts mit Wein, wie ihn der qualitätsbewusste Genießer kennt und schätzt, zu tun haben und jeden Weinfan zur Verzweiflung bringen. Aus Früchten lassen sich auch nur weinähnliche Getränke herstellen, egal was man unternimmt, richtiger Wein (wie der aus Trauben) wird es nie.

Gerne wird dann in der Literatur noch auf die schöne rote Farbe verwiesen. Doch Rotwein – weit gefehlt – wird daraus immer noch nicht. Durchscheinend blass-rot ist er, leicht auf der Zunge, mit spitzer, kräftiger Säure und ohne ausgeprägtes Aroma kommt er daher, der Ribiselwein. Ich rede hier von meiner persönlichen Erfahrung, denn ich durfte früher rote Ribiseln aus dem eigenen Garten verarbeiten. Jene Ribiseln die so gerne als Marmelade für Linzeraugen herhalten müssen, ebenfalls eine österreichische Spezialität. Eine kurze Erklärung zu Johannisbeeren und ein Rezept für Ribiselgelee findet ihr hier.

Die roten Ribiseln waren so bliebt, dass niemand in unserer Familie etwas damit anzufangen wusste und sie für meine „Experimente“ herhalten durften. Ich sage bewusst „Experimente“. Seitem bin ich mit Ribiselwein auf Kriegsfuss, denn ich kann mich an kein einziges Mal erinnern wo mich oder die Familie der Genuss von rotem Ribiselwein jemals überzeugt hätte. Die Verarbeitung zu Ribiselwein zögerte nur den Gang zum Kompost hinaus. Vielleicht nicht nur eine persönliche Erfahrung sondern auch ein generelles Sinnbild für dieses Getränk im Allgemeinen?

Es gibt aber in der Literatur Anmerkungen, dass gereifter Ribiselwein an einen Tokajer erinnern würde. Weißer Ribiselwein vielleicht. Ich lasse das mal so stehen. Immerhin eine Andeutung, ein Lichtblick, dass sich doch noch Großes dahinter verbirgt.

Da fragt man sich doch – Was ist mit dem Ribiselwein in den letzten Jahren passiert?

Fruchtweine haben scheinbar kein gutes Image, so merke ich das zumindest wenn ich auf Märkten stehe und Überzeugungsarbeit leisten muss – meine Produkte doch mal zu kosten und sich ein eigenes Bild zu machen. Ein Kampf gegen Windmühlen und Vorurteile oder einfach nur schlechte Erfahrungen.

Fruchtweine werden zudem selten konsumiert. Denn es gibt keinen klassischen Anlass und keine Ratschläge im Menüplan wo diese Getränke passen. Was beim Wein selbstverständlich ist, das fehlt beim Fruchtwein gänzlich. Die Trinkkultur und die Geschichte dahinter. Die Konsumenten sind ratlos und hilflos. Sie haben es nie „gelernt“ und mit Fruchtweinen immer nur billige Rauschgetränke assoziiert, für mehr reicht es offensichtlich nicht. Beim Wein bemüht man sich immerhin seit der 90er Jahre ein Bewusstsein zu schaffen und da haben andere Konkurrenzprodukte auch nichts verloren, will man doch die Position des Weins stärken und fördern. Die Zeit der weinähnlichen Getränke scheint vorbei.

Fruchtwein ist eben nur Kramuri (*österreichisch für „nix wert“) und was nix kostet ist folglich auch nix wert. Oder anders ausgedrückt, was nix kosten soll oder darf, muss zwar nicht zwangsläufig schlecht sein aber viel erwarten braucht man sich davon auch nicht. Das ist dem Image auch nicht förderlich. Es gibt viele Früchte, die sich zur Fruchtweinherstellung eignen, doch warum müssen es ausgerechnet rote Ribiseln sein? Ernsthaft

Es geht angeblich um die Säure, denn der Weintrinker mag es gern sauer. Meine Theoreie ist eine andere. Ribiseln wachsen oft ohne viel Pflege im Garten und sie zu Wein zu verarbeiten ist zumindest der Versuch sie irgendwie noch halbwegs „sinnvoll“ zu verarbeiten, zumindest für den Gartenbesitzer und Hobbywinzer. Gemäß dem Motto, dann maische sie halt ein. Wenn nix mehr geht, geht immer noch Wein. Denn so viele Blechkuchen und Marmelade für Kekse im Winter (Linzeraugen) braucht man dann auch nicht und ist froh, wenn die Sträucher abgeerntet sind.

Ob man sich selbst oder seinen Gästen mit Ribiselwein eine Freude bereitet, bleibt dahingestellt. Es geht darum etwas Selbstgemachtes aus dem eigenen Garten mit Stolz zu präsentieren. Ich habe schon Erzählungen von Bekannten und Verwandten gehört wo so mancher sich vor der traditionellen Ribiselweinverkostung des Nachbarn gefürchtet hat und wo man mit verzogenem Gesicht immer noch ein „Hmm.Gut“ herauspressen musste aus Höflichkeit um den Gastgeber nicht zu beleidigen. Denn der war so stolz auf seinen selbstgemachten Ribiselwein. Ribiselwein hat einen legendären Ruf. So oder so. Man kann sich immerhin damit trösten, dass es auch guten geben soll, irgendwo.

Das Image von Ribiselwein und die Erfahrung damit

Viele Konsumenten, die heute um und über 60 Jahre alt sind, können noch bildhafte Darstellungen aus ihrer Jugendzeit liefern. Fast jeder kennt ihn, den Ribiselwein. Von welchem Hersteller sei nebensächlich, doch ****** war wohl die führende Marke damals, die man bis heute im Kopf hat. Man trank ihn auch gerne seinerzeit. Er war also besser als sein Ruf. Wobei viele behaupten, dass es damals nicht so viel gegeben hätte, Auswahl an Getränken, und man froh über das sein musste was verfügbar war und das war eben Ribiselwein. Aus der Not eine Tugend machen hieß es. Der erste Rausch und das erste Mal Übergeben sind klassische Aussagen die man mit Ribiselwein oder fallweise auch Erdbeerwein assoziiert. Was das über die Wertigkeit aussagt?

Fruchtweine wurden in der Nachkriegszeit und dann besonders in den 70er Jahren konsumiert. Das trifft wohl auf Deutschland wie Österreich zu, obwohl sich eine Fruchtweinkultur in Deutschland eher erhalten hat. Wein war selten und teuer und Ribiselwein war im Gegensatz zu herbem Bier süß und alkoholisch. Unterhosenstürmer, Schlüpferstürmer sagte man dazu, O-Ton, wirkungsvoll um junge Damen betrunken zu machen, so wird es zumindest erzählt. Beliebt war das alkoholische Einstiegsgetränk bei Jugendlichen, da es zudem sehr preiswert war und den späteren Übergang zu Bier, Wein und Spirituosen erleichterte, welche für gewöhnlich herber, trocken oder stärker und oft für Jugendliche nicht erhältlich waren.

Geschmacklich ist Ribiselwein nicht viel mehr als Fruchtsaft mit Alkohol. Kein richtiger Wein aber ein weinähnliches Getränk. Ein Vierterl davon in der Disko getrunken und beim Rausgehen ins Freie merkte man erst die verheerende Wirkung. Man sagt gerne, dass er „falsch“ wäre, heimtückisch, da die Wirkung verzögert aber dafür umso heftiger einsetzte und man davon einige Gläser trinken konnte ohne sofort die Wirkung des Alkohols zu spüren. Besonders bei jungen, ungeübten Trinkern war Ribiselwein beliebt. Eine süße Einstiegsdroge zum Alkoholkonsum. Heutzutage kennt man sie die Alkopops. Damals und in ländlichen Gegenden waren es wohl Obstmoste und Fruchtweine.

Jesus Unit par Excellance – oder wie man aus Wasser Wein macht

Preiswert dürfte Ribiselwein deswegen gewesen sein weil der sehr saure Muttersaft eine beachtliche Verdünnung erlaubt. Es gibt nicht viele Früchte, die eine so hohe Verdünnung erlauben oder sogar verlangen. In der Regel enthalten handelsübliche verdünnte Ribiselsäfte nur 25-30% Rohsaft. Mit der Verdünnung geht allerdings auch eine Reduktion des Extraktgehaltes einher, der gerade für Fruchtweinhersteller von besonderer Bedeutung ist und gesetzlich geregelt, nicht zu niedrig abfallen darf. Eine Verarbeitung zu Fruchtdessertwein ist bei Ribiseln anzuraten, da hier nicht so sehr verdünnt wird und man höhere Säuregehalte in einem gehaltvollen Getränk besser einbinden kann ohne, dass diese störend in Erscheinung treten.

Ist Ribiselwein zu sehr verdünnt, kann man dies auch als ungepuffert bezeichnen. Es ist einfach kein Extrakt mehr da, der das Gefüge im Gleichgewicht hält und die Säure tritt subjektiv noch stärker in Erscheinung. Will man Ribiselwein mit einem vergleichbaren Säuregehalt von Rotwein herstellen, wäre sogar eine Verdünnung von 1:6 möglich, auch wenn daraus nie soetwas ähnliches wie Rotwein werden wird. Er schmeckt dann aber leer, weil ihm Extrakt fehlt, fahl und brandig und neigt zudem zur Oxidation. Um Ribiselwein dennoch trinkbar zu machen führt eigentlich nichts an einer Nachsüßung vorbei, denn gänzlich trocken ausbauen würde nur mit einer Überstreckung funktionieren. Der Clou, der über Sieg oder Niederlage entscheidet, ist das Verhältnis von Säure zu Restzucker – sauer oder picksüß soll er keinesfalls sein, eine heikle Gratwanderung.

Hobbywinzer kümmern sich darum freilich wenig, steht doch die Ausbeute ($) an oberster Stelle. Doch wie sehr und wie viel verdünnt wird ist oft persönliche Ermessenssache, denn man möchte auch aus dem Obst möglichst viel Wein herausholen können und oft hat man privat keine riesigen Mengen Beerenobst zur Verfügung.

Es gibt zwar Weinrezepte an die man sich halten kann, doch Hobbywinzerrezepte sind nur bedingt tauglich, da auch die Früchte von Jahr zu Jahr und Erntezeitpunkt stets unterschiedlich sind. Gerade eine Harmonie und Ballance in selbst hergestellte Getränke zu bringen ist die höchste Kunst des Weinmachens an der gerade Anfänger scheitern.

Man sollte einem Kilo roten Ribiseln nie mehr als einen Liter Zuckerwasser zusetzen um einen qualitativ hochwertigen Ribiseldessertwein zu erhalten. Somit ist es ein Mythos, dass gerade Ribiselwein so viel billiger in der Herstellung sein soll als anderer Fruchtwein. Es gibt aber einige Früchte, die deutlich besser schmecken als rote Ribiseln. Vielleicht mal mit Himbeeren versuchen?

Wer meint, dass sich Fruchtwein nur zum preiswerten Schankgetränk eignet, der soll mal die Preise von Keltertrauben mit denen von hochwertigem Beerenobst vergleichen und hinzurechnen, dass die Herstellung zwischen einem halben Jahr und einem Jahr dauern kann, ohne die Lagerzeit mitzurechnen.

Vorurteile, Image und die Nachfrage am Markt

Das war auch einer der heiklen Punkte auf meiner SWOT Liste. Gibt es einen Markt dafür? Und warum werden Fruchtweine nur im Low-End-Sektor erzeugt? Wenige Daten liegen bei Obstweinen wie Most, Apfel- und Birnenwein, vor. In diesem Bereich gibt es auch Mostsommeliere und Qualitätsobstweine. Über Beeren- und Steinobstwein gibt es wenig zu berichten und zum Thema Fruchtwein so gut wie gar nichts, zumindest in Österreich. Eine Nische in der Nische. Infos haben nur die Hersteller selbst und diese Informationen fallen unter Betriebsgeheimnis. Auch Literatur zum Thema Fruchtwein ist kaum erhältlich. Meist wird man in England, Kanada und den USA fündig und muss selbst recherchieren und sich das benötigte Fachwissen aneignen.

Da diese Produkte in der Regel landwirtschaftliche Urprodukte sind, obliegt die Verarbeitung, Verwertung und Obstveredelung auch den bäuerlichen Betrieben. Gewerbliche Hersteller gibt es kaum. Somit dürfte einer der wichtigsten Gründe, die gegen die Erzeugung von Fruchtwein sprechen, eher die Vermarktung von Frischobst und die Herstellung von Saft, Konfitüre (Marmelade), Likör und Brand sein. Die Produkte für die Obst bekannt ist. Denn Fruchtweinerzeugung ist aufwändig und erfordert vergleichsweise viel Know-How. Nur einmaischen und vergären wie beim Brand oder nur zusammenmischen wie beim Likör ist nicht, wenn das fertige Erzeugnis geschmacklich überzeugen soll. Es sind relativ hohe Fruchtmengen nötig, in der Regel mehr als bei Likör. Es ist auch Wissen wie auch Erfahrung in der Weinherstellung von Vorteil und solange der Verkaufspreis bei anderen Produkten höher ist lohnt sich der ganze Aufwand einfach nicht.

Nebenbei werden üblicherweise, man kennt es von Äpfeln, eher geringere Qualitäten und fehlerhafte Ware zu Saft und Most verarbeitet was sicherlich für das Image ebenfalls nicht förderlich ist. Gerade für Wiederverkäufer und die Gastronomie sind aber preiswerte Getränke überlebenswichtig. Da ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Fruchtweine im Low-End Segment vermarktet werden. Hochwertige Getränke haben eher Liebhaberwert und sind wohl der privaten Herstellung überlassen. Zu Hause trinkt man dann die wirklich edlen Sachen, das war schon immer so.

Fruchtdessertweine, Aromatisierte Obstweine, Obstwermute und Obstdessertweine sind im österreichischen Handel (fast) nicht erhältlich. Doch im Weingesetz seit 1980 als eigene Unterkategorie mit allen Spezifikationen geführt. Kaum jemand hat diese Getränke je produziert. Will man sie mit Wein vergleichen sind diese geschmacklich in der Kategorie Dessertwein, Port, Sherry und Wermut anzusiedeln. Österreich ist traditionell kein Land, das solche Getränke produziert, dasselbe gilt für Fruchtwein. Theoretisch allerdings wäre es möglich solche herzustellen. Doch der Markt für Süßwein- und Dessertwein wäre sehr begrenzt, wurde mir gesagt. Interessanterweise gilt dies aber nicht für Fruchtliköre – und Fruchtdessertweine sind damit geschmacklich relativ gut zu vergleichen nur eben ganz anders und leider völlig unbekannt in der Bevölkerung.

Der Niedergang vom Ribiselwein

Zu Beginn der 80er Jahre und mit dem großen Weinskandal in Österreich ging die Nachfrage an Ribiselwein nach unten wie es scheint. Weine wurden qualitativ deutlich besser und was noch wichtiger war, sie wurden für die breite Masse erschwinglich. Es gab also keinen vernünftigen Grund an weinähnlichen Substitutionsprodukten festzuhalten. Es war auch einfacher geworden statt teurem Obst einfach preiswerte Weißweine zu aromatisieren und weinhältige Getränke herzustellen.

Wo es früher fast nur Dopplerweine gab, waren zu Beginn der 90er Jahre Bouteillenweine im Kommen, also Qualitätsweine in der 0,75L Flasche. Qualität war nun das Schlagwort für Österreichischen Wein und brachte neuen Wind in die Winzerszene. Süße Muskateller und Traminerdessertweine mit kräftigen 15%Vol., mehr Likör als Wein, suchte man ab diesem Zeitpunkt ebenfalls vergeblich, denn die alte Fassung des Weingesetzes wurde überarbeitet und reformiert. Der Geschmack der Konsumenten ging in Richtung leichtere Weine aber mit höherer Qualität. Wenn man Wein trank sollte er gut sein und man sollte noch mit dem Auto heimkommen von der Buschenschank, dem Heurigen oder dem Wirtshaus. Hochprozentiges war zunehmend verpönt.

Die Generation, die mit Ribiselwein aufwuchs griff nun vermehrt zu hochwertigeren Getränken. Sie wurde erwachsen. Die nächsten Generationen dürften wählerischer gewesen sein und wohl vermehrt dank Werbung moderne Softdrinks konsumiert haben. Dennoch ist Ribiselwein sehr vielen ein Begriff. Auch die Partykultur dürfte sich mit der Zeit gewandelt haben, Energydrinks waren erstmalig im Kommen. Die Promillebestimmungen im Straßenverkehr wurden sukzessive verschärft. Denn wo vorher noch 0,8 galt wurde auf 0,5 Promille reduziert und erste Geräte zur Alkoholkontrolle wurde Mitte-Ende der 1980er Jahre erstmalig eingeführt.

Wo es vielleicht noch Ribiselwein gab, wurde dieser schrittweise durch Wein- und Alkoholmixgetränke ersetzt, Softdrinks mit Wein oder Rum kennt man. Einfacher zu mixen und in der Bar stets vorrätig. Das Qualitätsverständnis der Bevölkerung entwickelte sich ebenfalls weiter. Fast niemand wollte noch weinähnliche Getränke trinken, wenn er richtigen Wein haben konnte. Somit blieb der Ribiselwein das Getränk für erste Rausch-Erfahrungen, für ungeübte Trinker und ewige Nostalgiker. In ausgewählten Supermärkten oft nur noch in der untersten Regalreihe zu finden.

Die traditionellen Abnehmer von Obst- und Fruchtwein sind und bleiben Heurigen, Wirte und Schanken. Die Getränke, urig wie sie sind, werden üblicherweise in 1/4L Gläsern verkauft und getrunken und passen ins Ambiente einer Weinstube. Obstwein ist mitunter nicht viel teurer als Fruchtsaft. Dadurch ergibt sich eine beachtliche Gewinnspanne für Gastronomen, sofern sich Gäste einfinden, die laufend konsumieren. Von manchen Gastronomen werden Ribiselwein und Co. gar nicht mehr ins Sortiment genommen. Zu gering sei die Nachfrage mittlerweile. Wenn man von einer Literflasche ein Vierterl verkauft und dann mehrere Wochen niemand mehr bestellt, kann man sie entsorgen. Dieses Risiko möchten die wenigsten eingehen. Produkte die nicht laufen, werden schrittweise von der Karte entfernt.

Wie schmeckt Ribiselwein

Rote Ribiseln haben keinen besonderen Eigengeschmack. Das Aroma ist dezent beerig und kernig, im Abgang leicht herb und erinnert sehr schwach und entfernt an Preiselbeeren ohne an deren Herbe heranzureichen. Oft werden noch wenige Prozent schwarze Johannisbeeren mitverarbeitet um den Farbton zu verstärken und das Aroma leicht zu verbessern. Auch weiße Ribiseln können mit roten gemeinsam verarbeitet werden, wobei die weißen keinen besonderen Geschmack aufweisen und neutral sind.

Ribiselweine gänzlich aus schwarzen Früchten sind selten. Schwarze Ribiseln sind saurer, herber und aromatischer als rote und ergeben sehr dunkle, farbkräftige, vorzügliche Fruchtdessertweine, die an Cassis Likör erinnern und eine angenehme samtige Gerbstoffstruktur aufweisen. Durch den hohen Säuregehalt und relativ geringen Extraktgehalt ist eine Verdünnung nur eingeschränkt möglich, die Getränke müssen süß bleiben um harmonisch zu schmecken. Sie erinnern sehr entfernt an Cabernet Sauvignon. In den USA wird auch gerne Black Currant Port erzeugt, also ein Portwein aus schwarzen Johannisbeeren, geschmacklich zwischen Wein und Likör. Erwähnenswert wäre, dass schwarze Johannisbeeren einen sehr hohen ORAC-Wert aufweisen und damit über höhere gesundheitswirksame Inhaltsstoffe verfügen als blaue Trauben. Schwarze Johannisbeeren verfügen über sehr viel Vitamin C und sind ausgesprochen gesund.

In England sind White Currants für die Herstellung von Dessertweinen sehr beliebt. Eine geschmackliche Ähnlichkeit zu einfachen aber kräftigen goldgelben eher neutralen Weißweinen wird immer wieder betont. So soll, wenn man der Erläuterung glauben möchte, der Dessertwein aus weißen Ribiseln auch an einen Tokajer erinnern.

In der Slowakei, kurz nach der österreichischen Grenze, in der Region Devin wird auch heute noch traditionell Ribiselwein aus allen 3 Sorten hergestellt.

Meine persönliche Einstellung zum Ribiselwein

Es ist kein Geheimnis, dass ich rote Ribiseln nicht mag, nie mochte und kein großer Fan von ihnen bin. Man könnte mir also Befangenheit vorwerfen und ein traditionelles Produkt schlechtreden zu wollen mit diesem Blog-Post. Aber das stimmt so nicht ganz. Meine Einstellung hat sich mittlerweile gewandelt. Es ist einige Zeit vergangen seit den „Experimenten“ bis hin zu ambitionierter Fruchtweinerzeugung.

Als ich das erste Mal schwarze Johannisbeeren bestellt habe und versucht habe etwas daraus herzustellen war ich begeistert. Es kommt wohl auch auf die Sorte an und mit welchem Verständnis man an die Herstellung von Fruchtwein herangeht. Selten habe ich soetwas Hervorragendes probiert wie einen Likör bzw. Fruchtdessertwein aus schwarzen Ribiseln.

Die Johannisbeere ist sehr vielseitig einsetzbar und besonders die schwarze Johannisbeere genießt meine Anerkennung. Wenngleich ich von der sortenreinen Fruchtweinherstellung wenig halte, habe ich erkannt, dass Ribiseln tolle Möglichkeiten zur Mitverarbeitung mit anderen Früchten zu Beeren- und Fruchtweinen bieten.

Johannisbeeren sind DAS traditionelle Beerenobst für die Herstellung von Fruchtwein und darauf darf und sollte ein Hersteller nicht verzichten. Egal ob er persönliche Abneigungen hat oder nicht. Vorurteile lassen sich überdenken und das Image neu bewerten.

In zwei meiner Produkte sind Johannisbeeren mitverarbeitet – in Deep Dark und meiner neuesten Kreation, einem Fruchtdessertwein aus roten Ribiseln und Erdbeeren. Einen ersten Artikel darüber findet ihr bald hier.

 

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