Wie kamst du dazu Fruchtwein zu machen?

Eine Frage die ich fast noch bei jeder Verkostung gestellt bekam: Wie kommt man darauf Fruchtweine zu machen und seit wann machst du das schon?

Schuld daran war das Buch von Paul Arauner „Weine und Säfte, Liköre und Sekt – selbstgemacht“ und ein Cousin, der Biochemie studierte. Er hatte mal Holunderblütensekt in den frühen 90ern gemacht. Neugierde und die Frage „Wie wird eigentlich Wein gemacht?“, waren der Auftakt. In unserer Gemeinde und unserem Bekannten- und Verwandtenkreis gab es keine Winzer. Also half nur der Selbstversuch. Learning by doing. Wir sammelten also im Sommer Holunderbeeren.

Holunderbeeren Hindberry Fruchtwein

Es war sehr aufwändig diese per Hand zu rebeln um die Stängel zu entfernen. Am Ende hatten wir eine kleine Schüssel Beeren für einen Ansatz. Ich kann nicht mehr genau sagen wieviel es war, aber es war nicht viel. Nach einigen Wochen Gärdauer an der Maische schien der Hollerwein fertig zu sein. Nach dem Abseihen der Beeren blieb nur noch etwas Flüssigkeit über. Dann die Ernüchterung. So viel Arbeit für so wenig Wein.

Zaghaft kosteten wir – es war ein an einen Portwein oder süßen Rotwein erinnernder Holunderbeerwein. Die Eltern und Großeltern bekamen jeder ein Gläschen zum Kosten und dann war der Hollerwein eigentlich auch schon fast weg. So viel Arbeit für ein kurzes Vergnügen.

Dadurch war ich motiviert und hab immer wieder experimentiert und war sehr neugierig wie Weine aus verschiedenen Früchten schmecken könnten. Natürlich richtiges Equipment zum Weinmachen hatte ich damals noch nicht, somit blieb es meist beim Versuch. Im Mai gab es meist Holunderblütensturm aber so richtig ernsthaft hab ich die Weinherstellung nicht verfolgt.

Erst mit Beginn meines Studiums hab ich begonnen mich wieder dafür zu interessieren. Ich wollte Wein in größeren Mengen zum Lagern machen. Nichts ist ärgerlicher als wenn ein Wein über Monate gärt und reifen muss und am Ende ist das Ergebnis bald ausgetrunken. Also besorgte ich mir ein 60L Fass und eine Südwein Reinzuchthefe, Sorte Tarragona, in einem Kellereifachgeschäft in Wien. Die Heferasse war wichtig, denn sie sollte für einen hohen Endalkoholgehalt sorgen und gleichzeitig höhere Zuckergehalte tolerieren.

Ich hatte mich für einen Honigwein, einen Met, entschieden. Honig als Ausgangsstoff für die Weinherstellung gärt schlecht. Es gibt einige Dinge zu beachten, wenn man Honigwein herstellen will. Zur Abrundung des Geschmacks und für die Restsüße im fertigen Met besorgte ich mir noch bei einem Verwandten, der Imker war, Sonnenblumenhonig. Der verleiht dem Honigwein eine sehr liebliche und milde Note. Der Met war ein voller Erfolg!

Mit der Zeit begann ich verschiedene Fruchtweine im 20L Maßstab herzustellen. Hauptsächlich wurden diese bei Familienfeiern verkostet. Das edelste Produkt war mein süßer Himbeerwein, der fand den meisten Zuspruch.

Später pflanzte ich auch Weinstöcke im Garten. Die Rebsorten Marechal Foch bzw. Leon Millot, Regent und Muscat Bleu für Rotwein. Bianca, Phönix und Perle von Zala für Weißwein. Nero als Sturm und Tafeltraube. Genaugenommen sind das alles PIWIS. Pilzresistente Rebsorten, die wenig bis gar nicht gespritzt werden müssen. Sie sind eine tolle Anschaffung für Gartenbesitzer mit vinophiler Ader. Ich hatte dann auch einen schönen gemischten Satz aus den Weißweintrauben. Aus den Regent Rotweintrauben und den Resten von der Roseherstellung aus Muscat Bleu und Marechal Foch machte ich einen thermovinifizierten Rotwein. Aber auch Portwein und Mistelle, also süßer Traubensaft mit Alkohol, wurde hobbymäßig probiert, eine Art Likör(wein). Natürlich können die Trauben auch gegessen werden, nicht dass ein falscher Eindruck entsteht.

blaue Trauben Rotwein

Warum Wein, Met und Fruchtwein aber kein Bier?

Klar als Lebensmittel- und Biotechnologe müsste man eigentlich Bier herstellen. Ich habe mich auch schon darin versucht. Aber im privaten Haushalt und ohne aufwändiges Equipment kaum zu bewerkstelligen. Bierherstellung ist sehr energieintensiv und man braucht Malz und Hopfen. Wir haben unser Malz damals selbst hergestellt aus Gerste, die wir zum Keimen gebracht haben. Heutzutage würde das Ergebnis wohl als Craft Bier durchgehen, aber wir waren wenig begeistert. Selbstgemachtes Bier schmeckt nicht wie aus dem Supermarkt.

Ich persönlich habe keine besondere Vorliebe für Bier. Aber es gibt einige Biere, die ich gerne trinke. Einerseits das Wiener Lager von der Schwechater Brauerei zum 175 Jahre Jubiläum und andererseits das Samichlaus von Schloss Eggenberg. Aber das ist ja auch kein Bier sondern schon fast ein süßer Malzdessertwein mit seinen 14%Vol.  😉 also doch schon fast wieder Wein *lach

Also bin ich bei Wein geblieben. Und die Herstellung von Spirituosen und Bränden überlasse ich lieber der Destillerie meines Vertrauens. Herr Gallhuber aus Ma. Enzersdorf produziert auch einen erstklassigen Eierlikör. Hindberry Fruchtwein soll schließlich für Fruchtwein und Fruchtdessertwein bekannt sein.

 

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